Montag, 30. Oktober 2017

Die Superfoods in meinem Garten


In Wohlstand und Überfluss lebend wendet sich der Mensch gerne von grundlegenden Dingen ab und scheinbar weniger Banalem zu: Er sucht sich ein Luxusproblem, an dem er kiefeln kann. Das ist beim Essen nicht anders - gerade dieser Bereich ist so breit und dick eingestreut, dass er es sich auf einem dicken Bett an Meinungen, Theorien und Glaubenssätzen gemütlich machen kann. Hier darf er nun wählen zwischen einer omnivoren, flexitarischen, vegetarischen oder veganen Essweise, er kann auf Zucker, Fett oder Gluten verzichten oder er kann nach dem Heiligen Gral seiner Ernährung suchen, nach dem einen Nahrungsbestandteil, der alles gut macht, alles heilt, der ihn wenn schon nicht jünger, so zumindest alterslos macht.

Superfoods also. Sie sind bunt, exotisch, geheimnisvoll. Die Zuckerstreusel auf dem Sahnehäubchen der Ernährungsdiskussion. Ich muss zugeben: Von manchen, wie etwa Goji, Lucuma, Moringa oder Maca, weiß ich gar nicht, wie sie schmecken. Bei anderen wieder, Mandeln, Kürbiskernen oder Kokos, war mir ob ihrer Alltäglichkeit gar nicht bewusst, dass sie überhaupt dazu gehören.

Gersten- oder Weizengras, Moringa, Salate, Spinat, Gartenkräuter, Spirulina, Chlorella, Sauerkraut, Shiitake-Pilze, Mandeln, Brokkoli, Karfiol, Weiß- und Rotkraut, Kohlsprossen, Grünkohl, Rucola, Rettich, Radieschen, Kren, Kürbiskerne, Papaya, Traubenkerne, Himbeeren, Brombeeren, Ribisel, Stachelbeeren, Heidelbeeren, Kokos, Açai, Aronia, Goji, Acerola, Camu Camu, Granatapfel, Ingwer, Avocado, Kurkuma, Bienenpollen, Honig, Leinsamen, Chiasamen, Matcha, Sprossen, Datteln, Hanf, Baobab, Sonnenblumenkerne, Sauerkirschen, Cranberries, Äpfel. Außerdem: Wildpflanzen wie Löwenzahn oder Brennnesseln.

Die Liste an Superfoods ist ewig lang – und diese hier nur ein kleiner Auszug. Aber … was fällt auf? Von den Spezialisten aus exotischen Gegenden abgesehen sind es auch viele, viele ganz normale, heimische Lebensmittel, denen die Wissenschaft gesundheitliche Superkräfte zuschreibt. Ich überlege: Ließe sich denn die Superfooddebatte derart interpretiert gar auf den ganz basalen (und stinklangweiligen) Leitspruch Vielfältig essen umdenken? Ich glaube schon – auch wenn das weit weniger sexy ist als die magischen Teufelskerle aus Übersee. Superernährung statt Superfood!


Gerade in einer Welt, in der es die Hälfte aller Menschen schon super fände, überhaupt Food in ausreichender Menge (und hier sprechen wir noch gar nicht von Qualität!) zur Verfügung zu haben, klatsche ich den Spirulinas und Moringas einen blattgoldverzierten Dekadenzorden auf die geblähte Superbrust - und lobe mir die heimischen Alternativen, die etwas schüchtern in der zweiten Reihe stehen und im Gegensatz zu den Posern geduldig darauf warten, entdeckt zu werden. Auch mit ihnen lässt sich unser Essen aufwerten, ganz unaufgeregt und zu einem weitaus kleineren ökologischen und monetären Aufwand: Wie wäre es mit Brennnesselpulver statt Spirulina oder Chlorella, mit Dirndln statt Gojibeeren, Leinsamen statt Chiasamen, Aronia, Heidelbeeren oder Ribiseln statt Açai-Beeren, Himbeerblättermatcha statt Grünteematcha? Oder mit Brennnesselsamen, Braunhirse, Hagebuttenpulver, Leinöl, Walnüssen, Honig vom imkernden Nachbarn? Genauer hingeschaut ist mein ganzer Garten voller Superfoods!!!


Dieses Wissen, eingebettet in meine ganz grundsätzliche Ernährungsphilosophie*, macht schon ganz schön was her. Ich war daher auch ganz angetan von der Idee von Sina und Christina, ein Blogevent zum Thema Heimisches Superfood zu veranstalten. So was von gern bin ich dabei (wenn auch auf den letzten Drücker) – und freue mich schon sehr auf die Zusammenfassung. Danke ihr zwei Lieben!


Krafthonig mit Brennnesselsamen

Mein heimisches Superfood ist ganz klar die Brennnessel. Sie ist so vielfältig verwendbar, so reich in ihrer Verfügbarkeit, so voller Potenzial für die Gesundheit!
In diesem Honig steckt die ganze Kraft der Brennnesselsamen. Andernorts habe ich bereits über deren Vorzüge berichtet. Die Erntezeit ist leider so gut wie vorbei, hier und da werden sich aber vielleicht noch brauchbare Samenstände finden.
Der Honig schmeckt auf dem Butterbrot genauso gut wie im selbst gemachten Knuspermüsli oder über dickem, griechischem Naturjoghurt. Er stärkt und spendet Energie und Kraft für den Tag. Wer seinen Krafthonig gänzlich aus heimischen Nahrungsmitteln herstellen möchte, lässt Zitronenschale und Kurkuma weg.

Zutaten für ein kleines Glas

200 g Honig
20 g getrocknete Brennnesselsamen
20 g Blütenpollen
abgeriebene Schale von 1 Zitrone
¼ TL Kurkuma gemahlen

1. Alle Zutaten miteinander mischen und in ein sauberes Glas mit Schraubverschluss füllen.

2. Fertig!

3. Mit der Zeit setzen sich die federleichten Brennnesselsamen oben ab – vor dem Genuss daher immer kurz durchrühren.

Zuguterletzt noch ein (Zu-)Geständnis an mich selbst: Bei aller berechtigten Kritik an den Auswüchsen unserer globalen Nahrungswirtschaft – ganz ohne Avocados, Mandeln, Kokos, Ingwer oder Datteln möchte ich auch nicht sein. Und für Chiasamen … für die habe ich eine Schwäche entwickelt. So. Jetzt ist es raus.


*Wen es interessiert (und für mich zur Dokumentation):
©      Essen mit Bauchgefühl – was schmeckt mir, was tut mir gut?
©      Meinen Fokus richten auf regionale und saisonale Lebensmittel, Altes und Traditionelles bewahren.
©      Trotzdem aber offen bleiben für Neues, meine kulinarische Neugier nicht verlieren, vieles ausprobieren, meinen Horizont erweitern.
©      Nichts verbieten – von allem etwas, von nichts zu viel.
©      Vielfältig, abwechslungsreich, bunt essen. Reichlich Wildpflanzen inklusive!
©      Wissen, was ich esse – mein Essen kennen, mein Wissen darum erweitern.
©      Gelassen und entspannt sein im Umgang mit meiner Ernährung.

Kommentare:

  1. Liebe Maria, schau doch einmal, ob du nicht vielleicht sogar Goji in deinem Garten hast. Bei uns kräht halt einfach kein Hahn danach, aber wachsen tut die Pfanze bei uns sehr gut: https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeiner_Bocksdorn
    Hier wächst am Eck genau so ein Strauch. Ich ernte aber nicht, weil dort alle Hunde in der ganzen Umgebung ihr Geschäft verrichten. Der Bocksdorn scheint also sogar extreme Bedingungen auszuhalten.
    Meine Goji-Beeren kommen aus dem Weinviertel vom Biobeerengarten Hummel.

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    1. Das ist ja klasse, Goji-Beeren aus dem Weinviertel :-)))
      Die ganze Welt ist ein Garten, oder?
      Der Bocksdorn kommt mir so vom Anschauen her schon bekannt vor, bei mir im Garten steht er zwar nicht, aber jetzt muss ich schon einmal bei meinen Nachbarn ein bisserl genauer schauen ... Alles Liebe!

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  2. Du bist ja sowieso die Königin der Superfoods mit deinen Brennesselkreationen zb.

    Danke fürs Mitmachen!
    Und deine Gedanken teile ich auch..#luxusproblem

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    1. Danke für DIESEN Ehrentitel, liebe Sina, BUSSI!

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  3. nicht umsonst hat eine Naturärztin in Wien gesagt "wenn die Menschen sich der Kraft der Brennessel mehr bewusst wären, würden sie nur mehr diese anbauen"
    Mit dem tollen Krafthonig kommt ihr sicher gut durch den Schnupfenwinter!!
    lg

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    1. Jede Erkältung hält er zwar auch nicht ab, hier hängen schon wieder einige Schnupfennasen rum, aber helfen tut er sicher :-) Alles Liebe!

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  4. Du Chia, ich Kurkuma und Baobab-Pulver. Shame on us. Aber sowas von. ;-)

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    1. Haha, wie recht du hast. Wer ohne Fehler is(s)t, der werfe das erste Chia-Korn ;-)))

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  5. Deine Ratschläge kann ich nur voll unterschreiben! Vielfalt statt Superlative! Das heißt ja nicht, dass nicht Kurkuma oder Ras-el-hanout drin sein dürfen, und alles andere, das der Bekömmlichkeit dient.

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    1. Genauso sehe ich das auch, liebe Ilse!!!
      Alles Liebe!

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