Donnerstag, 3. August 2017

#wirrettenwaszurettenist: Sommersonderrettung!


Sommerfrische, wie es sich ein Joachim Ringelnatz ausgedacht hat?

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.


Was für eine wunderbare Anleitung für ganz, ganz großes Loslass-Theater: Träge in der Wiese liegen, ein Grashalm im Mund, der Blick zum Himmel gerichtet. Das Spiel der Wolken beobachten, das Wispern der Käfer hören. Sonne auf der Haut. Sommer im Herzen.

Da könnte man glatt in Versuchung geraten, sich auch für das Danach noch zu rüsten: Ein Glas gesulzte Sommerbeeren, etwas flüssiges Obers, ein bisschen was vom Hagelzucker, ein kleiner Löffel – das ist schnell eingepackt. Sommer am Gaumen!


Gesulzte Beeren aka Rote Grütze haben großes Rettungspotential wie ich finde, denn sie sind sowas von schnell gemacht und die Homemade-Variante schlägt die gekaufte wieder mal um Längen! Sie sind deshalb mein Beitrag zur Sommersonderrettung, die Sina und Susi auf die Beine gestellt haben. Danke euch zweien für euren unermüdlichen Einsatz!


Gesulzte rote Sommerbeeren mit Obers und Hagelzucker

Der große Garten rund um mein Elternhaus ist ein Geschenk – und natürlich auch, dass ich dort weiterhin nach Lust und Laune ernten darf …

Zutaten für 4 – 6 Personen

600 g gemischte rote Sommerbeeren (bei mir waren es Kirschen, Weichseln, Himbeeren, Maulbeeren und rote Ribiseln)
½ Vanilleschote
½ l Kirsch- oder Ribiselsaft
3 EL Speisestärke
3 – 4 EL Zucker

Außerdem
flüssiges, gut gekühltes Schlagobers
Hagelzucker

1. Die Früchte säubern und verlesen, die Kirschen und Weichseln entsteinen, die Ribiseln von den Stielen streifen.

2. Die Vanilleschote längs halbieren und das Mark herauskratzen.

3. Vanillemark und -schote mit dem Großteil des Fruchtsaftes in einen Topf geben und aufkochen lassen.

4. Den restlichen Fruchtsaft mit der Speisestärke glattrühren und in den kochenden Saft gießen. Unter Rühren aufkochen lassen, bis der Saft eindickt.

5. Nun die Früchte dazugeben und einige Minuten lang im eingedickten Fruchtsaft heiß werden lassen. Sie sollen auf keinen Fall derart gekocht werden, dass sie zerfallen.

6. Die Früchte vom Herd nehmen und mit Zucker süßen.

7. Ein Stück Frischhaltefolie direkt auf die gesulzten Beeren legen, damit sich keine Haut bildet. Abkühlen lassen.

8. Vor dem Servieren die Vanilleschote entfernen. Mit flüssigem Schlagobers und Hagelzucker servieren.

Zubereitet nach diesem Rezept.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Mit uns ist gut Marillen essen


Weil, Kirschen sind ja keine mehr da. Wie gut, dass sich meine Mama vor zwei Wochen in ihr Auto gesetzt, beim Marillenbauern in der Wachau gach abgebremst und 20 kg allerreifste, zuckersüße Rotbäckchen eingepackt hat. Die hat sie heimgebracht und brav auf ihre dankbaren Töchter aufgeteilt. Seitdem ist viel passiert in meiner Küche: Ich habe Marillenknödel gemacht, Johanna Maiers legendäre Marillenbutter ausprobiert, einen Marillen-Topfen-Strudel gebacken und Marillenmarmelade mit Lavendel eingekocht.


Auch die Mädels von der Initiative Genuss in rot-weiß-rot, nämlich Susi und Sina, haben an die Marille als österreichisches Kulturgut gedacht und zum gemeinsamen Verwerkeln aufgerufen. Ich mache gerne mit! Und serviere euch herrliches Marilleneis mit Haselnusskaramell. Aber aufgepasst, dass ihr die karamellisierten Nüsse nicht gleich auf einen Sitz vernascht …


Marilleneis mit Haselnusskaramell

Dieses Eis ist ein Traum, mehr gibt’s dazu gar nicht zu sagen.

Zutaten für etwa 1 Liter Eis

Für die Eiscreme
500 g reife Marillen
120 g Zucker
1 EL Vanillezucker
2 Dotter
125 ml Milch
200 ml Schlagobers

Für das Haselnusskaramell
30 g Rohrzucker
50 g heißes Schlagobers
30 g Haselnüsse, trocken geröstet und grob gehackt

1. Die Marillen entkernen und grob schneiden. Mit 100 g Zucker und Vanillezucker in einen Topf geben, aufkochen lassen und etwa 7 Minuten köcheln lassen. Mit dem Stabmixer fein pürieren und auskühlen lassen.

2. Den restlichen Zucker mit Dottern, Milch und Obers über Wasserdampf luftig aufschlagen, von der Hitze nehmen und kalt rühren.

3. Das Marillenpüree mit der Oberscreme vermischen und im Kühlschrank gut kalt werden lassen.

4. In der Zwischenzeit für das Karamell den Zucker in einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze geduldig schmelzen. Mit heißem Obers ablöschen, mit einem Holzlöffel glattrühren und köcheln lassen, bis die Masse glatt und sämig ist. Die Haselnüsse unterrühren und auskühlen lassen.

5. Die gut durchgekühlte Eismasse in der Eismaschine gefrieren. Sobald sie dickcremig ist, das Karamell flüchtig unterrühren. Die Eiscreme in einen vorgekühlten Behälter streichen und 1 – 2 Stunden im Tiefkühler fest werden lassen.

Das Rezept stammt aus dem Servus Magazin.

Was meine Kolleginnen aus den Marillen gezaubert haben? Mmmh …

Friederike hat Wiener Wäschermädel ausprobiert,
bei Christina gibt’s Hühnerspieße mit Marillen,
Susi hatte auch eine grandiose Idee, nämlich Kriecherl-Marillen-Marmelade
und Verena hat einen Klassiker ausgewählt, der auf keinen Fall fehlen darf: Marillenröster.
Sonntag, 16. Juli 2017

Phantastisch!


Schau mal, Mama, sagt der kleine Mann, da ist ein Maulwurf drin! Er gräbt mit dem Löffel in seinem Schokoladeneis. Tatsächlich, ein Loch. Ein Loch in der Erde! Er sieht mich mit kreisrunden Augen an und dieser Mischung aus Verblüffung, Freude und dem klitzekleinen Funken der Erkenntnis, dass diese Geschichte vielleicht doch nur eine Geschichte sein könnte, die mein Herz noch mehr wärmt als sein unwiderstehliches rrrrollendes R.

Für jedes Kind beginnt die Welt von Neuem* – und ja, in Sachen Phantasie steht der kleine Mann dem Minimädel um nichts nach. Lediglich die Themen sind verschoben. Hier geht es nicht um Fabelwesen und Zauberwerk, um geflügelte Einhörner, Feen und Regenbögen. Nein, es geht um Maschinen, um gefährliche Tiere und Dinosaurier, wie könnte es auch anders sein.

Da wird die Hand zur Baggerschaufel, mit der es sich hervorragend Backerbsen in die Suppe schürfen lässt. Eine Schwimmnudel wird zum Kreiselheuer, eine verbogene alte Stange zum Pflug. Und der kleine Mann selbst, der ist der Traktor. Wie schön ist es, ihn bei diesem Spiel zu beobachten – und wie schön, dass er Menschen um sich hat, die seine Vorstellungskraft noch beflügeln: Mein Vater und mein Bruder beispielsweise, das sind Kindsköpfe, wie es sie kein zweites Mal mehr gibt – und zwar im allerbesten Sinn des Wortes.



So fahren wir dann am Traktor sitzend und mit einem der beiden am Lenkrad durch den (Ur-)Wald und rufen: Schau mal, eine Giraffe! Oder: Da, ein Elefant! Es ist ein bisschen so wie mit diesen psychedelischen Bildern, bei denen man versuchen muss, Unschärfe zuzulassen, den Blick nicht zu fokussieren, nicht hin- sondern hindurchzusehen: Macht man es richtig, tauchen plötzlich ganz phantastische 3D-Bilder auf. Und irgendwann fange also auch ich an, den Tiger zu sehen, der vorsichtig zwischen den Bäumen hervor schielt und die vielen kleinen Affen, wie sie an den Ästen im Efeu hängen und uns neckisch zuwinken.



Und da! Hilfe! Ein grüner, riesengroßer Dinosaurier! Er verfolgt uns mit schnellem Schritt, sein Maul klappt auf und zu. Gib Gas, Opa Sepp, gib Gas!


Schokoladeneis nach David Lebovitz

Ein wirklich ganz köstliches Schokoladeneis – die Attribute ultimativ und endgültig kann ich vermutlich auch unterschreiben. Leicht abgeändert nach der Rezeptur von David Lebovitz bin ich ganz verliebt in Konsistenz und Geschmack. Und den Maulwurf hab ich auch entdeckt – ich hab halt wirklich ganz genau geschaut …

Zutaten für etwa 1 Liter Eis

250 ml Vollmilch
4 TL Speisestärke
250 ml Schlagobers
250 ml Kondensmilch (ich habe kondensierte Kaffeemilch mit 7,5 % Fett verwendet)
100 g Zucker
35 g Kakaopulver
40 g Vollmilchschokolade
45 g Zartbitterschokolade 70 %
1 Prise Fleur de Sel
½ TL Vanilleextrakt

1. Die Speisestärke mit einigen Esslöffeln von der Milch glattrühren.

2. Restliche Vollmilch, Schlagobers, Kondensmilch, Zucker, Invertzuckersirup und Kakaopulver in einem Topf glattrühren, aufkochen und etwa 4 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen. Das führt dazu, dass ein Teil des in den Zutaten enthaltenen Wassers verdampft, damit das Eis später nicht kristallin wird.

3. Die Stärke-Milch-Mischung einrühren, nochmals aufkochen und etwa 1 Minute köcheln lassen, bis die Masse andickt. Von der Hitze nehmen.

4. Die Schokolade grob hacken und gemeinsam mit dem Salz zur heißen Milchmischung geben. Mit einem Schneebesen rühren, bis die Schokolade vollkommen geschmolzen ist.

5. Vanilleextrakt hinzufügen.

6. Die Schokoladenmasse in eine Schüssel umfüllen und ein Stück Frischhaltefolie direkt auf die Masse legen, damit sich keine Haut bildet. Abkühlen lassen.

7. Die Eismasse in der Eismaschine gefrieren.

8. Das fertige Eis in einen vorgekühlten Kunststoffbehälter füllen und noch etwa für 2 Stunden in den Tiefkühler geben, damit es gut fest werden kann.

*von Henry David Thoreau
Dienstag, 4. Juli 2017

Glutenunfrei, aber wahnsinnig gut


Der Glutenfreiwahnsinn treibt mich manchmal in den selbigen. Brot mache dick, dumm und krank, heißt es und tatsächlich hat diese These Erfolg. Bereits 30 % der US-Amerikaner geben an, weitgehend auf glutenhältige Lebensmittel zu verzichten. 30 %! Herrschaftszeiten. Also, von den echten und diagnostizierten Unverträglichkeiten einmal komplett abgesehen: Was bringt uns Menschen dazu, etwas so Elementares und Kostbares wie die eigene Ernährung derart zu verkomplizieren, ganz freiwillig noch dazu?



Aber da gibt’s doch Studien dazu, heißt es jetzt vielleicht. Und hey, natürlich gibt es die! Aber wie heißt es so schön? Papier ist geduldig. Selbst die renommiertesten Wissenschaftler müssen sich eingestehen, dass sie nichts wissen. Oder anders ausgedrückt: Dass ihre eigenen Erkenntnisse eben nur bis zu jenem Tage Gültigkeit besitzen, an dem ein anderer sie widerlegt.


Auch in der Ernährungswissenschaft gibt es diese Diskussion und ich habe mich ehrlich gefreut über die offenen Worte von Univ.-Prof. Dr. Jürgen König, Institutsvorstand am Department für Ernährungswissenschaften der Uni Wien. In seinem Artikel im Magazin ernährung heute mit dem treffenden Titel Wie viel Wissenschaft braucht Ernährung? beschreibt er genau dieses Dilemma:

Unser Talent, rasche Schlussfolgerungen zu ziehen, verleitet uns allzu schnell dazu, Muster in eigentlich zufälligen Daten zu erkennen und alternative Erklärungen für ein bestimmtes Ergebnis zu ignorieren oder zunächst vernünftig erscheinende Ergebnisse ohne weiteres Hinterfragen zu akzeptieren.

Und weiter: 

Zu nahezu jedem Nährstoff lassen sich Publikationen aus Peer-Reviewed-Journals finden, die einen Zusammenhang mit nahezu jedem Endpunkt angeben.



Puh, das ist starker Tobak, oder? Aber wahr halt auch. Wissenschaftliche Ergebnisse aus der anderen Ecke gefällig? Bitteschön. Glutenverzicht kann demnach für Gesunde ganz schön ungesund sein, weil damit oft auch der Vollkornkonsum reduziert wird, was wiederum die Darm- und Herzgesundheit gefährdet.


Der Weg aus der Klemme zeichnet sich für mich völlig klar:  Nicht auf teils wirre Geister hören, sondern auf sich selbst und den eigenen Körper. Was bekommt mir? Und was verschafft mir Unwohlsein? Würden wir dieser wichtigen inneren Stimme mehr Bedeutung schenken, so lösten sich viele Probleme von ganz allein.


Brennnessel-Brötchen mit Wildkräutertopfen

Diese Brennnessel-Brötchen sind gänzlich glutenunfrei und schmecken wahnsinnig gut – am besten natürlich ganz frisch und in Wildkräutertopfen getunkt. Auf die Empfehlung von Lutz Geißler hin (beschrieben in seinem tollen Buch Brot backen in Perfektion) habe ich zwei Dinge beherzigt, um das Teiggerüst der Dinkelbrötchen zu stärken, nämlich ein Mehlkochstück eingearbeitet und Vitamin C in Form von Zitronensaft hinzugefügt.

Für 1 großen Brötchenkranz oder 2 kleine

Für das Mehlkochstück
20 g glattes Dinkelmehl
100 g Wasser
1 TL Salz

Für den Hauptteig
50 g gehackte Brennnesselblätter
330 g glattes Dinkelmehl
10 g frische Hefe
1 TL Honig
3 EL Olivenöl
Saft von ½ Zitrone
175 ml Joghurt-Wasser-Gemisch oder Buttermilch
das Mehlkochstück

Außerdem
10 – 12 schöne Brennnesselblätter
Olivenöl
Fleur de Sel

Für den Wildkräutertopfen
250 g Topfen 20 % Fett i. Tr.
125 g Sauerrahm
2 - 3 Handvoll Wildkräuter nach Geschmack (Giersch, Gundelrebe, Gänseblümchen, Bärlauch, …)
Saft und Schale von ½ Zitrone
Salz, Pfeffer
etwas Senf

1. Für das Mehlkochstück Wasser, Mehl und Salz in einem Topf verrühren und unter Rühren aufkochen. Wenn die Masse andickt, vom Herd nehmen, in eine Schüssel umfüllen, das Kochstück direkt mit Frischhaltefolie bedecken und bei Raumtemperatur mindestens 2 Stunden abkühlen lassen.

2. Für den Hauptteig alle Zutaten vermengen und einige Minuten mit dem Knethaken der Küchenmaschine bei mittlerer Geschwindigkeit kneten. Mit einem sauberen Geschirrtuch abdecken und etwa 1 Stunde an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat.

3. Den Teig auf die bemehlte Arbeitsfläche geben und kurz durchkneten. In 10 oder 12 Stücke teilen (je nachdem, ob man einen größeren oder zwei kleinere Brötchenkränze backen will).

4. Die Stücke rund schleifen.

5. Teiglinge auf mit Backpapier ausgelegten Blech(en) anordnen (1 x 10 oder 2 x 6 Teiglinge). Dabei kann zwischen den Teiglingen ruhig etwas Platz sein, diese Freiräume verschwinden dann während der Gare und dem Backen.

6. Die Oberfläche der Teiglinge mit Olivenöl einstreichen.

7. Die schönen Brennnesselblätter kurz in Wasser legen, damit sie später beim Backen nicht verbrennen. Die nassen Blätter auf die Brötchen legen und leicht andrücken, nochmals mit Öl bestreichen und mit Fleur de Sel bestreuen.

8. Den Backofen auf 230 °C Heißluft (bei zwei Kränzen) oder 250 °C Ober-/Unterhitze (bei einem Kranz) vorheizen.

9. Sobald der Ofen vorgeheizt ist, sind auch die Brötchen ausreichend gegangen. Brötchen mit Schwaden in den Ofen geben und die Temperatur sofort auf 180 °C Heißluft / 200 °C Ober-/Unterhitze reduzieren.

10. Nach etwa 10 Minuten die Ofentüre weit öffnen, um den Dampf abzulassen, dann wieder schließen.

11. In weiteren 10 – 20 Minuten fertig backen (Backzeit insgesamt 20 – 30 Minuten).

12. Die Brötchen auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.

13. Währenddessen den Wildkräutertopfen vorbereiten: Die Wildkräuter fein hacken und mit den restlichen Zutaten vermischen. Würzig abschmecken und in einem hübschen Schüsselchen anrichten. Wer mag, garniert mit in Streifen geschnittenen Wildkräutern und Gänseblümchen.

Die Inspiration für diese schönen Brötchen habe ich aus dem Kundenmagazin von Hofer, wenig später habe ich sie auch bei Conny entdeckt.



P.S.: Warum das Minimädel trotz alledem einen glutenfreien Gugelhupf zum siebenten Geburtstag bekam? Das ist wieder einmal eine andere, aber lustige Geschichte. Ich erzähle sie euch demnächst.
Montag, 19. Juni 2017

Na Servus


Nicht, dass ich nicht mit Kindern, Mann, Hund und Haus schon genug um die Ohren hätte … Meldet sich auch noch ein Fernsehteam an, um mich bei der Zubereitung von Mühlviertler Mohnnudeln zu filmen. Na Servus! Beim Lesen der Drehanfrage war mein erster Gedanke: Nein. Woher die Zeit nehmen? Und überhaupt: Ich im Fernsehen? Hilfe! Doch dann kam mir ein Zitat von Nina Ruge in den Sinn (Danke, Erika!): Wo die Angst ist, geht es lang. Und so richtig und wichtig diese Worte sind, so sehr habe ich, im Nachhinein und ganz persönlich betrachtet, von meinem Ja zur Anfrage profitiert.



So kam es also, dass vergangenen Mittwoch ein kleines Team von Servus TV, bestehend aus Doris Ahornegger (Redaktion) und Gabriel Streif (Kamera), bei mir eintraf und meinen derzeit sehr vorhersehbaren Alltag ordentlich durcheinander wirbelte. Die beiden schafften es jedoch mit ihrer liebenswerten, lockeren und sehr professionellen Art im Handumdrehen, meine Nervosität vergessen zu machen und ich genoss den Tag mit zwei Kochdurchgängen, einem Interview und allerhand Zwischendurchfilmerei in vollen Zügen. Was dabei heraus kam, seht ihr morgen, am 20. Juni, ab 18:10 auf Servus TV. Hui, wird das aufregend …

Und ihr, liebe Leserinnen und Leser, kommt jetzt schon in den Genuss meines neuen, absoluten Mühlviertler Mohnnudel-Lieblingsrezeptes, das ich dank dreimaligen Probekochens nun im kleinen Finger hab und von dem ich behaupten kann: That’s it. Besser wird es nicht.



Meine Mühlviertler Mohnnudeln

Ausgehend von diesem interessanten alten Rezept, von dem ich mich erinnern kann, dass es zwar sehr gut geschmeckt, mich aber nicht zu 100 % überzeugt hat, habe ich nun meine für mich ideale Rezeptur und Herstellungsweise gefunden. Vergesst in Salzwasser gekochte Kartoffelnudeln! Diese hier liegen aus meiner Sicht geschmacklich vorn. Und das Beste überhaupt: Meine Kinder mögen sie! Strike!

Zutaten für etwa 6 Personen

Für den Teig
½ Liter Wasser
1 kräftige Prise Salz
3 rohe mittelgroße mehlige Kartoffeln (etwa 450 g)
500 g Mehl (vorzugsweise griffiges, glattes geht aber auch)

Zum Fertigstellen
150 g Butter
150 g Blaumohn
Kristallzucker nach Geschmack

Zum Bestreuen
Staubzucker

1. Das Wasser in einem mittelgroßen Topf aufkochen und salzen.

2. Die Kartoffeln schälen, vierteln und zum Wasser geben. Das Mehl auf einmal darauf schütten. Nicht umrühren!

3. Mit einem Kochlöffelstiel mehrere Löcher (etwa 10) bis zum Topfboden durchstechen, damit das Wasser durchkochen und der Wasserdampf entweichen kann. Den Topf nicht abdecken, sondern alles offen etwa 25 Minuten auf kleiner Flamme kochen lassen. Nach dieser Zeit sollten die Kartoffeln gar sein – dies überprüft man am besten mit einem kleinen scharfen Messer (einfach ein paar Mal in die Masse stechen - es sollte kein Widerstand mehr spürbar sein).

4. Währenddessen den Mohn in einer Mohnmühle mahlen.

5. Den Topf vom Herd ziehen und die gesamte Masse (mitsamt dem wenigen verbliebenen Wasser) auf ein Nudelbrett oder die Arbeitsfläche stürzen. Mit dem Kartoffelstampfer die Kartoffeln so gut als möglich zerdrücken. Dabei kühlt die Masse etwas ab.

6. Sobald Mehl und Kartoffeln kühl genug zum Anfassen sind, mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten, bei dem jedoch noch einige Kartoffel- und Mehlstücke sichtbar bleiben können – das ist ganz charakteristisch für diesen Teig!

7. Das Backrohr auf 180 °C Ober-/Unterhitze einschalten. Butter in eine Rein geben und in den noch kalten Ofen stellen. Während der Ofen aufheizt, schmilzt die Butter.

8. Währenddessen die Nudeln herstellen: Den Teig in 4 Portionen teilen. Jede Portion zu einer etwa 1,5 cm dicken Rolle formen und etwa 1 cm breite Stücke abschneiden. Jedes Stück zu einer fingerdicken Nudel wutzeln.

9. Sobald die Butter geschmolzen ist, die Rein aus dem Ofen holen. Die Nudeln hinein geben. Den gemahlenen Mohn und Kristallzucker darüber streuen. Vorsichtig durchmischen.

10. Nun kommen die Mohnnudeln für 15 Minuten ins Rohr. Dort werden sie heiß und die Kartoffelmasse zieht an.

11. Aus dem Rohr nehmen, nach Belieben mit Staubzucker bestreuen und servieren.

Tipps:
* Je wärmer die Teigzutaten noch sind, desto besser fügt sich der Teig zusammen – also auf keinen Fall zu lange mit dem Zusammenkneten warten!
* Dasselbe gilt auch für das Wutzeln der Nudeln – je wärmer der Teig noch ist, desto besser geht es.
* Besonders einfach ist es, wenn man beim Herstellen des Teiges die Küchenmaschine zu Hilfe nimmt: Die brennheiße Masse einfach in die Rührschüssel geben und alles bei niedriger Stufe mit dem Knethaken einige Minuten lang durchkneten. Funktioniert ganz wunderbar!

Liebe Doris, lieber Gabriel, nochmals ein herzliches Dankeschön an den schönen und spannenden Tag mit euch! Und auch meinem Mann sei an dieser Stelle mehr als gedankt: Er hat mir den ganzen Tag lang den Rücken frei gehalten und sich um die Rasselbande gekümmert … Küsschen J.

Nachtrag: Der Beitrag lässt sich hier nachgucken :-) Oder auch gleich hier:


Nachtrag zum Nachtrag: Wie oft habe ich diesen Satz gehört, seit der Beitrag auf Sendung ging: GENAU SO hat meine Oma / meine Tante / meine Mutter die Mohnnudeln auch gemacht und jetzt kenn ich endlich das Rezept. 
Das finde ich richtig klasse. Und außerdem: Danke euch allen ... Ich habe mich riesig über die vielen schönen und durchwegs positiven Rückmeldungen zum Beitrag gefreut!
Samstag, 27. Mai 2017

Selten so gelacht


Steht ein blondgelockter, lieber und fröhlicher Lausbub vor mir, acht Lenze hoch, und erzählt mit einer unwiderstehlichen Mischung aus Mühlviertel, Mostviertel und Wien Ottakring in der Stimme folgenden Witz:

Kommt eine schwangere Frau zum Bäcker.
Sie sagt: Ich krieg einen Striezel.
Der Bäcker sagt: Sachen gibt’s…

Was hab ich gelacht. Stunden später noch haben mich die Worte eingeholt, immer wieder, ich hab mich gebogen, mir den Bauch gehalten, mir die Schenkel geklopft. Was tut Lachen gut. Was tun Lachkrämpfe gut! Und was tun Patenkinder gut, die solche Witze erzählen!


Patenbrezen aus Einkornbriocheteig

Meine Patenkinder, mittlerweile drei an der Zahl, haben heuer zu Ostern keinen Striezel, sondern eine Patenbreze erhalten. Diese Gebäckform ist eine wunderschöne Möglichkeit, meine Verbundenheit mit meinen Patenkindern auszudrücken. Entdeckt habe ich die Patenbreze im Buch Brot & Brauchtum von Elisabeth Schiffkorn.
Beim Teig habe ich mich für den Einkornbriocheteig aus dem Buch Natürlich backen von Anna Pevny entschieden und ihn leicht verändert (2 Eier statt 4 Dotter, etwas mehr Mehl, keine Rosinen). Er ist sehr gut zu formen, beim Backen wird er weich und flauschig und darüber hinaus schmeckt er auch noch ganz köstlich. Anna Pevny schreibt außerdem: Das Einkornvollkornmehl besitzt als einziges Getreide Beta-Carotin als Inhaltsstoff und hat deshalb eine wunderbar gelbe Farbe. Das ist nicht nur sehr schön, sondern auch gesund.

Zutaten für 3 Patenbrezen

Für den Teig
200 ml Milch
60 g Butter
250 g Einkornvollkornmehl
300 g Universalweizenmehl
1 große Prise Salz
1 EL Vanillezucker
abgeriebene Schale von ½ Zitrone
50 g Braunzucker
50 g Kristallzucker
1 Würfel frische Hefe
2 Eier

Zum Einstreichen
1 Ei
1 Prise Salz
1 Prise Zucker

Zum Bestreuen
Hagelzucker

1. Milch mit Butter lauwarm erwärmen.

2. In der Rührschüssel der Küchenmaschine die Mehle, Salz, Vanillezucker, Zitronenschale und die beiden Zuckersorten vermengen. Hefe einbröckeln. Zum Schluss noch die Eier und das Milch-Butter-Gemisch zugeben und mit dem Knethaken auf mittlerer Stufe etwa 8 Minuten zu einem glatten Teig verkneten.

3. Die Teigschüssel abdecken und den Teig etwa 1 Stunde rasten lassen.

4. Den Teig auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche geben, kurz durchkneten, mit einem Küchentuch abdecken und 15 Minuten entspannen lassen.

5. Teig dritteln, jedes Drittel rundwirken, die Teigkugeln auf ein bemehltes Brett setzen und abdecken.

6. Mit der ersten Teigkugel beginnen: Zuerst zwei hühnereigroße Teigstücke mit der Teigkarte abzwicken und beiseite legen. Den restlichen Teig auf der leicht bemehlten Arbeitsfläche zu einem etwa 1 m langen Strang ausrollen, der in der Mitte etwas dicker ist und zu den Enden hin spitz ausläuft. Den Strang vorsichtig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech heben und dort zu einer Breze formen. Abdecken.

7. Die zwei kleinen Teigstücke jeweils halbieren, sodass vier Stücke entstehen. Aus drei davon auf der ganz leicht bemehlten Arbeitsfläche jeweils etwa 30 cm lange Stränge mit spitz auslaufenden Enden rollen. Diese drei Stränge zu einem Zopf flechten.

8. Das dicke mittlere Stück der Breze mit Wasser einstreichen, den Zopf auflegen und vorsichtig andrücken. 

9. Das verbliebene Teigstück nochmals halbieren, etwas flach drücken und mit einem kleinen Ausstecher Blümchen ausstechen. Die Enden des Zopfes auf der Breze mit Wasser einstreichen, die Blümchen darauf platzieren und andrücken.

10. Die fertige Breze abdecken und nochmals etwa 30 Minuten gehen lassen.

11. Währenddessen die anderen beiden Brezen auf die gleiche Weise herstellen und den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen (wer zwei Brezen auf einmal backen möchte, wählt Heißluft mit 160 °C).

12. Für die Eistreiche das Ei mit Salz und Zucker verquirlen und die Brezen damit einstreichen. Den Zopf mit Hagelzucker bestreuen.

13. Die Brezen im vorgeheizten Rohr 15 – 20 Minuten goldbraun backen.

14. Auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

Mittwoch, 24. Mai 2017

Rezension: 30 Minuten Gemüseküche


Wenn ein Kochbuch aus dem Brandstätter-Verlag kommt und dabei durch die Hände von Katharina Seiser gegangen ist, na, was kommt dann heraus? Genau. Ein fabelhafter Kochbuchleckerbissen mit allerhand USPs. Da wären beispielsweise …

… das A bis Z-Konzept, bei dem die Rezepte ihrem Hauptgemüse zugeordnet und diese dann alphabetisch sortiert ganz wunderbar nachzuschlagen sind.

… die 30 Minuten-, Geschmacks- und Gelinggarantie

… der scheinbar unerschöpfliche Fundus an Variationsvorschlägen, Tipps, Wissenswertem und Getränkeempfehlungen.

Für die 30 Minuten Gemüseküche hat Katharina Seiser gemeinsam mit Ekkehard Lughofer und Gerhard Zoubek (die beiden Herren kommen vom ADAMAH BioHof in Glinzendorf) die Seiser’sche Vegetarisch-Reihe aus dem Brandstätter-Verlag durchforstet und jene Rezepte aus Österreich, Italien, den USA, Deutschland und der Türkei zusammengestellt, die in 30 Minuten auf dem Tisch stehen.

Was mir besonders gut gefällt

* Die USPs, siehe oben. Besonders die A bis Z-Sortierung ist richtig praktisch. Habe ich Sellerie, der verkocht gehört, blättere ich zum Buchstaben S, dort weiter zum Sellerie und kann unter immerhin 4 Rezepten wählen.

* Der Fokus auf das Viergespann vegetarisch, saisonal, regional und bio.

* Die Aufmachung des Buches ist ausgesprochen gelungen. Erdige Farben, schöne Schriftbilder, abgerundete Ecken – so gefällt mir das.

Was mir nicht so gut gefällt

Ich könnte bemängeln, dass ein Rezept, das ich ausprobiert hab, die 30 Minuten-Grenze ziemlich deutlich überschritten hat. Oder dass nicht alle Gerichte durchgängig bebildert sind. Oder dass der sprachliche Fokus eher auf Deutschland liegt (Quark, Pfifferlinge, Blumenkohl). Aber hey, soll ich jetzt echt auf Fehlersuche gehen?

Nachgekocht


Ofenpastinaken mit Blauschimmelkäsedressing

Hätte ich dieses Rezept nur schon viel früher gekannt! Ich hätte mir nicht an harten und geschmacklosen Pastinakengerichten die Zähne ausbeißen müssen … Pastinaken eignen sich perfekt zum Rösten im Ofen, schreibt Katharina Seiser. Wie recht sie hat! Diese Ofenpastinaken schmecken unglaublich delikat – besonders die dunkel gebräunten Spitzen sind viel zu köstlich zum Teilen. Ab jetzt meine Lieblingszubereitungsart!
Das Dressing hingegen wurde bei mir recht dünnflüssig und würde mir dick und cremig besser gefallen.

Zutaten für 4 Portionen

Für die Pastinaken
800 g Pastinaken
2 Zweige Thymian
3 – 4 EL Rapsöl
2 EL flüssiger Blütenhonig
Salz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
1 Msp. Muskatnuss

Für das Dressing
100 g Blauschimmelkäse
150 g Mayonnaise (habe ich durch Sauerrahm ersetzt)
200 ml Buttermilch
2 TL Zitronensaft
Salz
Pfeffer

Zum Garnieren
frischer Thymian

1. Den Ofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

2. Die Pastinaken putzen und großzügig mit dem Sparschäler schälen. Je nach Dicke der Länge nach halbieren oder vierteln und auf ein Blech (oder in eine große Auflaufform) geben.

3. Thymianblätter vom Zweig rebeln und fein hacken. In einer kleinen Schüssel mit Öl, Honig sowie etwas Salz, Pfeffer und Muskatnuss verrühren. Das Würzöl über die Pastinaken geben und alles gut mischen.

4. Die Pastinaken im heißen Ofen auf der zweiten Schiene von unten 25 Minuten hellbraun backen, dabei nach 15 Minuten einmal wenden.

5. In der Zwischenzeit das Dressing zubereiten. Dafür alle Zutaten in einer Schüssel mit dem Pürierstab kurz pürieren, so dass das Dressing noch recht stückig ist (ich habe definitiv zu lange püriert).

6. Die Pastinaken mit dem Dressing anrichten und mit Thymian garnieren.


Ofenkarotten mit Knoblauch und neuen Kartoffeln

Bei diesem Gericht bin ich mit der angegebenen Backzeit von 15 Minuten gar nicht zurecht gekommen … Ich hatte das Gemüse 45 Minuten im Ofen. Ansonsten aber eine feine Kombi, die auch meinen Kindern sehr gut geschmeckt hat.

Kopfsalat mit Sauerrahm und Haselnuss-Röstbrot

Für dieses Gericht habe ich Römersalat verwendet. Mjam, ein richtig feines Essen ohne Wenn und Aber.

To Cook-Liste

Salat aus violetten Karotten
Geschmorte Bundkarotten mit Bärlauchsauce und Schmorzwiebeln
Mangold mit Büffelmozzarella
Selleriesalat mit Blutorangen
Bloody-Mary-Salat
Acquacotta
Topinambur-Pastinaken-Salat

Fazit: Schöne Idee, schöne Umsetzung. Die 30 Minuten Gemüseküche ist ein handliches Nachschlagewerk mit einer Fülle an Ideen, Rezepten und Infos, das durch seine Praktikabilität und Unaufgeregtheit mein Küchenherz ganz schnell erobert hat.

30 Minuten Gemüseküche
von Katharina Seiser, Ekkehard Lughofer und Gerhard Zoubek (Hg.)
Gebundene Ausgabe, 176 Seiten
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2017
ISBN: 978-3710600999
Preis: € 24,90

Dieses Mal ein ganz besonders herzliches Dankeschön an den Brandstätter Verlag für Vertrauen und Geduld und natürlich auch für das wie immer unkomplizierte Zusenden eines Rezensionsexemplars.
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