Freitag, 5. Dezember 2014

Was ist denn bloß … ein Vaspetarier?


Den perfekten Veganer gibt es nicht, hab ich gelesen, denn selbst wer sich noch so sehr bemüht: In der Welt, in der wir heute leben, ist es schwer bis fast unmöglich, einen veganen Lebensstil immer und überall durchzuziehen. Zu undurchsichtig die globale Warenproduktion, zu wenig Wissen dort, wo es notwendig wäre:

Für unsere vegetarischen Gäste

Gebratene Bachforelle mit Mandelbutter und Petersilkartoffeln
***
Getreidelaibchen mit Buttergemüse und Kräutersauce
***
[…]
(Auszug aus der Speisekarte eines Landgasthauses, nicht weit von mir entfernt)

Moment. Was heißt das denn? Dass der Versuch, vegan zu leben, sinnlos ist, weil es gar nicht 100 %ig funktionieren kann?

Nein, ganz sicher nicht. Eine vegane Lebensweise anzustreben, natürlich macht das Sinn. Aber: Ich komme immer mehr zum Schluss, dass mich eine Ganz oder gar nicht-Einstellung weitaus mehr blockieren als weiter bringen würde. Das betrifft so viele Bereiche meines Lebens und natürlich auch das Essen. Warum muss ich gleich auf alles und für immer verzichten, wenn ich mich auf eine nachhaltigere und / oder tierfreundlichere Ernährungsweise zubewegen will? Warum hat alles andere keinen Wert?
Ich glaube, hier tut eine entspanntere Herangehensweise gut. Schließlich ist es doch so: Was ich nicht haben oder essen darf, genau das wird zum Objekt meiner Begierde. Wenn ich mir hingegen die Option auf Bratwürstel oder Milchrahmstrudel offen halte, werde ich es – aus rein psychologischer Sicht – bei meinen täglichen Essentscheidungen um einiges leichter haben. Wenn ich nämlich weiß, dass ich eigentlich dürfte, fällt das Weglassen gar nicht mehr so schwer.

Alltagshandeln ändert sich nicht aus einer einzelnen Entscheidung heraus. Dazu basiert es zu sehr auf Gewohnheit. Es ändert sich durch Übung, durch Immer-wieder-Tun. Halbzeitvegetarier oder Flexitarier üben, weniger Fleisch zu essen. VASPetarier üben, weniger tierische Produkte zu konsumieren. VASP steht für Vegan As Possible – vielleicht ein Ernährungskonzept der Zukunft?

Keep in mind that being vegan is about intention, not perfection.
Colleen Patrick-Goudreau

Bleibt noch die eine Frage, die ich mir bei all meinen Überlegungen und guten Absichten immer wieder stelle: Kann ich als Einzelner überhaupt etwas verändern?
Ja, ich kann. Als Konsument habe ich die Möglichkeit, jeden Tag bei meinem Einkauf meine Stimme abzugeben. Dadurch beeinflusse ich das Angebot natürlich nicht von heute auf morgen. Aber ich trage zu einem kollektiven Trend bei, der letztlich einen gesellschaftlichen Wandel induzieren und Märkte umkrempeln kann. Das sollten wir nicht vergessen …


Vanillepudding vegan mit Dirndlsirup

Der vegane Vanillepudding aus Cashewmilch schmeckt wunderbar, am besten am Tag der Zubereitung. Je länger er aber auf seinen Einsatz wartet, desto mehr verliert er leider an Konsistenz und Geschmack.

Zutaten für 4 Portionen

500 ml Cashewmilch
3 EL Maisstärke
2 EL Zucker
2 EL Vanillezucker
1 Prise Kurkumapulver
Dirndlsirup* zum Übergießen

1. Etwa 400 ml Cashewmilch in einen Topf geben und aufkochen.

2. Die restliche Cashewmilch mit Maisstärke, Zucker, Vanillezucker und Kurkumapulver glatt rühren, in die kochende Cashewmilch einrühren und eindicken lassen.

3. Puddingförmchen mit kaltem Wasser ausspülen, den heißen Vanillepudding einfüllen, bei Zimmertemperatur erkalten und dann im Kühlschrank fest werden lassen.

4. Vanillepudding auf Teller stürzen und mit Dirndlsirup übergießen.

*Für den Dirndlsirup wird zuerst ein Dirndlsaft hergestellt. Dazu wird eine beliebige Menge Dirndln in einen Topf gegeben und Wasser hinzugefügt (etwa 1/3 der Dirndlmenge). Man lässt alles kurz aufkochen und dann über Nacht abkühlen. Am nächsten Tag wird die Masse mit einem Kartoffelstampfer gut zerdrückt, dann lässt sie durch ein feines Sieb oder ein sauberes Tuch ablaufen, dabei wird der Saft aufgefangen. Dirndlsaft schmeckt frisch sehr gut, er hält sich im Kühlschrank aber nur kurze Zeit. Um ihn haltbar zu machen, kann man Dirndlsirup herstellen: 1 Liter Dirndlsaft mit 700 g Zucker aufkochen und kochend heiß in saubere Flaschen abfüllen.


Nach Rezepten aus:
Die Kornelkirsche und ihre Vorzüge in Garten, Küche und Keller von Manuela Grasmann, erschienen im Leopold Stocker Verlag.
Himmlisch vegane Desserts von Lisa Fabry, erschienen im Unimedica Verlag.


Kommentare:

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Warum geht es beim Essen so verbissen zu? Warum immer entweder oder? Und warum habe ich als Fleischesser in letzter Zeit bei meinen Bekannten das Gefühl, dass ich ein armes, bemitleidenswertes Geschöpf - ein Relikt aus der Urzeit - bin, jemand der sich nicht zusammen reißen kann, nicht hip, nicht ökologisch korrekt, nicht vegetarisch oder vegan. Es hat was von einer Hexenjagd. Wo bleibt die Entspannung, wo bleibt der Genuss?
    Von Montag bis Freitag koche ich selten und daher gibt es bei mir meistens vegetarische Küche. Am Wochenende ist das anders, da gibt es bei uns Fleisch und Fisch. Mir ist bewusst, wie schrecklich Massentierhaltung ist. Aber wird Soja ökologisch korrekt angebaut? Ich weiß es nicht.
    Lasst uns doch jeder nach seiner Fasson glücklich werden.

    Viele liebe Grüße und ein schönes entspanntes 2. Adventwochenende wünscht
    Astrid

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    1. Danke liebe Astrid für deinen Beitrag zum Thema. Es gibt vermutlich überall, in jeder Ernährungsweise, in jedem Lebensstil, Stolpersteine, über die es sich nachzudenken lohnt. Einfacher wird es dadurch nicht, das ist klar, aber die Quintessenz scheint trotzdem zu sein, dass jeder mit dem glücklich werden sollte, was er für sich selbst zu akzeptieren bereit ist... Liebe Grüße!

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  2. eine entspannte Herangehensweise ist in allen Lebensbereichen gut!
    Ich kann auch eine Kollegin verstehen, die vegan lebt, wenn sie sagt, sie möchte "artfremdes" Eiweiß nicht zu sich nehmen. Soll sie, solange sie nicht missioniert... ich finde tierfreies Kochen und Essen einfach nur interessant für hin und wieder.
    und deine Cashewmilch möchte ich auch bald einmal ausprobieren,
    lg

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    1. Was mir bei den veganen Rezepten so gut gefällt, ist diese "neue" Art zu kochen - durch das "neu" wird es für mich interessant! Liebe Grüße vom Mädel :-)

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  3. Essen ist etwas so Persönliches, Privates, dass Diskussionen darüber fast nicht zu führen sind, ohne dass man irgendjemandem auf den Schlips tritt.
    Für mich hab ich seid einem Jahr einen Weg gefunden und eine FoodCoop mitgegründet. Dass das immer so entspannt ablaufen würde, kann ich nicht gerade sagen, aber auf jeden Fall hab ich genau meinen Weg gefunden, um mir nicht bei jedem Getreidekorn überlegen zu müssen, welche Menschen oder Tiere jetzt wieder drunter leiden mussten, damit das auf meinen Teller darf.

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    1. GENAU SO ist es richtig :-) Du übernimmst Verantwortung für das, was du isst ...

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  4. Du weißt, dass Du mir aus der Seele sprichst =)
    Ernährung ist für einige Härtefälle ihre neue Religion... Das Extreme hat für mich nie was Gutes, in keiner Hinsicht.
    Gelassenheit ist sicher ein guter Weg dem entgegen zu treten.
    LG martina
    P. S.: We terribly missing you!!! Aber trotzdem schön immer von DIr zu lesen! =)

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  5. jawohl. genau so sehe ich das (bekanntlich) auch. aber: ich glaube, es braucht gar keine abkürzung dafür, denn die hat ein ablaufdatum, was der wunsch nach gutem und möglichst "friedlichem" essen nicht hat (oder nicht haben sollte).

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    1. Da hast du recht, liebe Katha. Es ist halt ein anderer Name für das selbe Kind :-) Ich denke aber, solche Abkürzungen können immer wieder einmal neues Leben und Schwung in eine Diskussion bringen. Und das ist ja nie schlecht.

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  6. Wieder mal ein Beitrag dem ich vollzustimme.
    Dieses Ganz oder gar nicht liegt mir eigentlich nicht.
    Aber wie du sagst, bei jedem Einkauf entscheide ich selbst ob ich Zeugs kaufe, dass ich nicht mit gutem Gewissen essen kann oder eben auch nicht.
    Ich sehe das Problem für mich eher da, wenn man auswärts isst. Wie bitte soll ich feststellen was da auf meinem Teller ist?
    Gerade im Ausland, aber auch hier bei uns, so am Land ist man nicht unbedingt in der glücklichen Lage zu sagen: Ich geh nur in ein Lokal das Bio oder zumindest Regionales aus guter Haltung anbietet.

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    1. Auswärts essen ist schwierig, das stimmt. Wenn ich mir nicht sicher bin, werde ich zumeist zum "Auswärtsvegetarier", das halten einige so. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dort, wo gutes Fleisch aus artgerechter Haltung verkocht wird, das auch meist kundgetan wird, meist steht dann in der Speisekarte, woher das Lokal seine Lebensmittel bezieht. Dann wird es mit dem Entscheiden schon wieder eine Spur leichter :-) Liebe Grüße und ein gesegnetes Weihnachtsfest wünsche ich dir! Danke für das viele Kommentieren hier, ich freu mich immer :-)

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