Mittwoch, 24. Juli 2013

Lesefutter für Fleischfresser

 

Der Fleischatlas, ein Kooperationsprojekt von Heinrich-Böll-Stifung, Bund für Umwelt- und Naturschutz und Le Monde diplomatique, informiert in beeindruckender und ansprechender Weise über die vielfältigen Auswirkungen unseres massiven Fleischkonsums. Der Fleischatlas Österreich, herausgegeben von GLOBAL 2000, liefert die heimischen Zahlen dazu. Das alles macht betroffen, stimmt sehr nachdenklich. Gut so.

Außerdem überaus lesenswert: Man hat uns Tier ins Fleisch gemischt! Jens Friebes Text über die carnivorische Verblendung wie er es nennt, über die Tatsache, dass Nutztiere ihr Gesicht komplett verloren und zu reinem Fleisch geworden sind, finde ich präzise geschrieben und so so wahr.

Lesen!
Sonntag, 21. Juli 2013

Na dann gute Nacht


Zugfahren ist gefährlich, denn dabei kann man sich ganz schön blamieren. Zumindest dann, wenn die Reise nicht nur von A nach B, sondern auch – freiwillig oder nicht – ins Land der Träume führt. Solche Schlafblamagen, die übrigens in geschlossenen Sechserabteilen besonders schwer wiegen, lassen sich meiner Ansicht nach in drei Kategorien einteilen:

AKZEPTABEL
Den Zielbahnhof verschlafen – das zeugt vielleicht von ein wenig zu wenig Selbstorganisation, aber im Grunde ist das ja nicht so schlimm.

GRENZWERTIG
Heruntergeklappte Kinnläden sehen nicht vorteilhaft aus. Sie sind aber unter Zugschlafenden mehr die Regel als die Ausnahme, insofern ist der Anblick zumindest nicht ganz neu. Schnarchen gehört auch hierher: So unerfreulich es mitunter für die Betroffenen ist, so amüsant kann es den anderen die Zeit vertreiben. Dasselbe gilt für in regelmäßigen Abständen zur Seite oder nach vorne wippende Köpfe.

ECHT PEINLICH
In diese Kategorie gehören Spuckefäden, die sich aus heruntergeklappten Kinnläden entwickeln und mit jedem Atemzug länger und länger werden. Es soll außerdem schon passiert sein, dass sehr entspannt Schlafende ganz plötzlich geweckt werden – von ihrem eigenen Pups. Zugeben tu ich hier aber gar nix.

Die Zugfahrt, ein Quell von Schmach und Schande … Angesichts dessen: Wäre es da nicht gut, ein Instrument zur Hand zu haben, das, sagen wir mal, ungebührliches Verhalten oder Aussehen ganz einfach verhindert oder zumindest rasch wieder in manierliches verwandelt? Jajaja, das wäre gut! Vielleicht klappt es ja so:


Königinnen-Duftkissen

Mädesüß und Wiesenlabkraut – beide duften wundervoll, wenn sie blühen: Süß, blumig, fruchtig und vor allem das Mädesüß sehr intensiv. Die Nase in die üppigen Blütenstände getaucht ist so betörend … Mädesüß, die Wiesenkönigin, wurde in früheren Zeiten auch als „Streukraut“ eingesetzt, man bestreute frühmorgens die Holzfußböden mit den frischen Blüten und ließ diese einige Tage liegen, um den Raum zu beduften. Danach wurde es wieder ausgekehrt.


Für ein Königinnen-Duftkissen werden Blüten und Kraut von Mädesüß und Wiesenlabkraut getrocknet, etwas zerkleinert und mit Dinkelspelzen in ein kleines Baumwollkissen gefüllt. Dieses kann dann noch in einen schönen Kissenbezug „eingepackt“ werden. Das Verhältnis von Dinkelspelzen zu Mädesüß und Wiesenlabkraut sollte dabei idealerweise 2:1:3 betragen. Diese Mischung wirkt beruhigend und schlaffördernd und beschert – so meine ich – süße Träume.


Die Anleitung für das Königinnen-Duftkissen stammt aus dem Buch „Zauberhafte Blütenküche“ von Elisabeth Mayer, erschienen im Bucher Verlag.
Mittwoch, 17. Juli 2013

Weißt du, wie der Sommer riecht?


Nach Birnen und nach Nelken,
nach Äpfeln und Vergissmeinnicht,
die in der Sonne welken,
nach heißem Sand und kühlem See
und nassen Badehosen,
nach Wasserball und Sonnencrem,
nach Straßenstaub und Rosen.

Weißt du, wie der Sommer schmeckt?

Nach gelben Aprikosen
und Walderdbeeren, halb versteckt
zwischen Gras und Moosen,
nach Himbeeren, Vanilleeis
und Eis aus Schokolade,
nach Sauerklee vom Wiesenrand
und Brauselimonade.

Weißt du, wie der Sommer klingt?

Nach einer Flötenweise,
die durch die Mittagsstille dringt,
ein Vogel zwitschert leise,
dumpf fällt ein Apfel in das Gras,
ein Wind rauscht in den Bäumen,
ein Kind lacht hell, dann schweigt es schnell
und möchte lieber träumen.


Auch mein Sommer schmeckt nach Sauerklee – wie davor der Frühling schon. Allerdings pflücke ich die frischgrünen Herzblätter nicht vom Wiesenrand, wie im wunderbar stimmungsvollen Sommergedicht von Ilse Kleberger beschrieben: Ich kenne ihn vornehmlich als Waldbewohner. Vor allem in Nadelwäldern kommt er vor, weil er saure Böden liebt.


Waldsauerklee blüht unbeschreiblich schön: Filigrane, weiße Blüten, von purpurfarbenen Adern durchzogen. Um diese Zeit, zur Sauerkleeblüte im Frühjahr, machen mir Streifzüge durch den Wald besondere Freude. Und jetzt, im Sommer, liebe ich Sauerklee-Eis.


Sauerklee-Eis

Mein absoluter Liebling diesen Sommer! Das Grundrezept stammt von Frau Ziii, ich habe ihr Basilikumeis leicht abgewandelt und an den Waldsauerklee adaptiert. Ganz wunderbar hat es übrigens zum Rhabarber-Crumble geschmeckt.

130 ml Wasser
120 g Zucker
eine kleine Schüssel Blätter vom Waldsauerklee (den jungen, hellgrünen Sauerklee bevorzugen – vom Stängel gezupft waren es bei mir 18 g Blätter)
400 g Naturjoghurt mit 4 % Fett
1 EL Olivenöl

1. Das Wasser mit dem Zucker aufkochen und bei geringer Hitze etwa 5 Minuten ohne umrühren köcheln lassen. Auskühlen lassen.

2. Die Sauerkleeblätter zum abgekühlten Zuckersirup geben und mit dem Pürierstab zerkleinern.

3. Den Sirup etwa eine Stunde oder auch über Nacht im Kühlschrank durchziehen lassen.

4. Den Sirup durch ein feines Sieb abseihen, die Blätter dabei mit einem Löffel gut ausdrücken.

5. Sirup mit Joghurt und Olivenöl vermischen und die Eismasse im Kühlschrank gut durchkühlen lassen.

6. Die kalte Masse in der Eismaschine cremig rühren und sofort servieren.

Bei Eismaschinen mit Kompressor kann das Durchkühlen im Kühlschrank entfallen. Das Eis schmeckt auch ohne Eismaschine, allerdings ist es dann natürlich nicht cremig, sondern fest und parfaitähnlich. Dasselbe passiert, wenn Eisreste eingefroren werden. Am besten fand ich das Eis direkt aus der Maschine.

Samstag, 13. Juli 2013

Pisa, Pasta, Federico


In meinen Gedanken duftet es nach Freiheit, Ungestüm und Lebensfreude: Ein paar Tage Pisa, wie lange ist das her. Il dolce far niente, dieses wunderbar süße Nichtstun, damals ging es noch leicht: Ich war Studentin, meine Schwester auch. Sie im Ausland, ich ihr hinterher. Die schöne Stadt, die kleine WG, so viel Sonne, dieses typisch italienische Lebensgefühl, das ich so sehr mag. Und Federico, ein junger Sizilianer. Ich habe ihn in dieser kurzen Zeit kaum kennen gelernt. Aber ich sehe ihn noch vor mir, wie er bei meiner Ankunft in der winzigen Küche stand und Tomaten würfelte.

Im Nachhinein betrachtet: Eine Szene mit Potential! Wäre es ein Film gewesen, so hätte ich mich bestimmt Hals über Kopf in ihn verliebt, wir hätten viel gegessen und getrunken, uns furchtbar gestritten und wieder versöhnt, ich hätte bei seiner Mamma das Kochen gelernt, ihm sechs Kinder geschenkt und mein Gewicht verdoppelt. Aber nein, es war kein Film und um ehrlich zu sein: Ich habe nicht einmal mehr den leisesten Hauch einer Ahnung, wie der Mann aussah. So, jetzt bin ich wieder nüchtern.

Trotzdem: Etwas ist von ihm geblieben. Das folgende Rezept ist seins, vor kurzem bei meiner Schwester und gleichzeitig für mich entdeckt.


Pasta alla Federico

1. Tomaten kurz in heißem Wasser blanchieren, häuten, vierteln, entkernen und in kleine Würfel schneiden.

2. Tomatenwürfel mit Knoblauch, Salz, Pfeffer, frischem Basilikum und Olivenöl vermischen und einige Stunden durchziehen lassen.

3. Semmelbrösel in etwas Butter oder Olivenöl anrösten, mit Salz und Zimt würzen.

4. Pasta kochen, abgießen, mit den Tomatenwürfeln vermischen und mit den Bröseln bestreuen.
Mittwoch, 10. Juli 2013

Mein Name ist Annika


Das Minimädel hat eine neue Heldin: Pippi Langstrumpf. Die ist einfach nur super, weil so stark und lustig und schlau und außerdem hat sie ein Äffchen und ein Pferd, was ja für sich genommen schon Grund genug ist, so sein zu wollen wie sie.
Darum rennt das Minimädel neuerdings durchs Haus, schreit „Goi, i bin die Pippi!“ und stemmt Besenstiele mit einem Gesichtsausdruck, als befände sich darauf die versammelte Mannschaft der Hoppetosse. Manchmal geht sie auch ziemlich steif durch die Gegend, dann sitzt gerade Herr Nilsson auf ihrer Schulter. Und der Kleine Onkel, das ist ihr Schaukelpferd, das derzeit ganz grundsätzlich nur verkehrt herum geritten wird.

Wenn ich sie dann in einem unkonzentrierten Moment aus Versehen mit ihrem richtigen Namen anspreche, schallt mir ein komplett empörtes „Ich bin die Pippi!!!!“ entgegen, gefolgt von einem (schon etwas milderen) „Und du bist die Annika, goi?“ Dann geht sie noch auf die Suche nach dem Tommy, stellt auch bei ihm die Situation und die damit verbundenen Rechte und Pflichten klar und schon sitzen wir drei eng aneinander gequetscht auf einem Hocker und starren mit vielen Ahs und Ohs den Boden an (wir fahren im Ballon durch die Gegend, ist doch klar).

Interessanterweise spielt Pippi auch bei Tisch eine Rolle: Plötzlich macht alles stark und gesund (obwohl ich beim Essen ganz bewusst auf solche Argumente verzichte) und überhaupt:

„Wenn es was Gutes gibt, muss man sich ranhalten, sonst kommt man zu kurz!“

Bleib so voller Leben, meine kleine Pippi! Und mach dir deine Welt, wie sie dir gefällt J.


Erdbeerfleck

Ich mag Kombinationen aus wild & zahm. Die Aromen sind meist ähnlich genug, um eine geschmackliche Verbindung herstellen zu können, im Detail aber trotzdem so verschieden, dass ihr Zusammenspiel spannend und reizvoll ist.
Wald- und Kulturerdbeeren ergänzen sich bei diesem Kuchen ganz wunderbar: Die einen hoch aromatisch, die anderen lieblich und zart. Das Rezept stammt aus einem meiner liebsten und am häufigsten gebrauchten Kochbücher: „Süße Schmankerln aus Oberösterreich“ von Helmut Obermayr, erschienen im Landesverlag.

Zutaten für ein kleines Blech

1 Tasse Erdbeeren (500 g) und ein kleines Schüsselchen Walderdbeeren
5 Eier
1 Prise Salz
130 g Zucker
1 EL Vanillezucker
etwas abgeriebene Zitronenschale
130 g glattes Mehl
1 Packung Blätterteig
Kristallzucker zum Bestreuen
Staubzucker zum Bestreuen

1. Das Backblech mit Backpapier auslegen und beiseite stellen.

2. Die Erdbeeren waschen und säubern, die Kulturerdbeeren halbieren.

3. Backrohr auf 190 °C vorheizen.

4. Die Eier trennen.

5. Eiklar mit einer Prise Salz steif schlagen, Zucker, Vanillezucker und Zitronenschale einrieseln lassen und weiter schlagen, bis der Schaum stabile Spitzen bildet.

6. Die Eidotter einzeln unterrühren.

7. Zum Schluss noch vorsichtig das Mehl unterheben.

8. Das Backblech mit dem Blätterteig auslegen und den Biskuitteig darauf verteilen. Glatt streichen.

9. Den Teig zuerst mit den Erdbeeren (Schnittfläche nach unten) belegen und dann noch die Walderdbeeren darauf verteilen.

10. Alles noch leicht mit Kristallzucker bestreuen.

11. In etwa 30 Minuten goldbraun backen. Mmh, dieser Duft …

12. Auf dem Blech erkalten lassen, mit Staubzucker bestreuen und portionieren.
Freitag, 5. Juli 2013

Karamba!


Was für Aussichten … An und für sich gehöre ich ja zur Ach-ich-gewinn-doch-eh-nie-was-Fraktion (die vor allem deshalb nie gewinnt, weil sie – eben – gar nie mitmacht, aber lassen wir das), doch in diesem Fall mache ich auf jeden Fall eine Ausnahme. Wer weiß schon, was morgen passiert …

Dieses Rezept ist meine Teilnahme am Gewinnspiel hier – vielleicht warten die Malediven ja grad auf MICH J

Kurumba Blitzdessert

Schmeckt wie Bounty zum Löffeln – oder wie löffelbare Rumkugeln, wenn man den Zitronensaft durch einen Schuss Rum ersetzt. Die Portionsgröße erscheint auf den ersten Blick sehr klein, aber glaubt mir: es reicht.

Zutaten für 4 Portionen

2 Eiweiß
4 EL Zucker
8 EL Kokosflocken
1 Spritzer Zitronensaft
2 Rippen Schokolade

1. Das Eiweiß steif schlagen.

2. Zucker einrieseln lassen und weiterschlagen, bis sich der Zucker aufgelöst hat und der Schnee stabile Spitzen bildet.

3. Zitronensaft und Kokosflocken unterheben.

4. Die Creme auf Schüsselchen verteilen.

5. Schokolade im Wasserbad oder in der Mikrowelle schmelzen und mit einem Löffel auf der Kokoscreme verteilen.
Mittwoch, 3. Juli 2013

Menschen und Erdbeeren


Einige Momente lang genau wahrnehmen, was rundherum geschieht: Wie selten ich das mache. So schade, denn dabei entgehen mir viele Dinge. Lustige, spannende, erhellende Dinge.

Wie die Frau heut früh im Dirndlkleid, am Rad ist sie an mir vorbei gerauscht, hat sich wie ein Wildfang in die Kurven gelegt und dabei herzlich gelacht - und auch mich damit fröhlich gemacht.

Oder die Moped-Oma, rote Jacke, roter Helm und rote Schuhe – sie könnte glatt einem Kinderbuch entknattert sein.

Die feine, alte Dame, die meinen Hund bewundert: „Wia aus’n Oa’l g’schö’t“ sehe er aus. Erst einige Zeit später wird mir die hochdeutsche Entsprechung bewusst.

A., der mir gesteht, er träume des Öfteren von Sauerrahm.

Und die Walderdbeeren! Wie sie auf ihrem weichen Obersbett liegen und ganz innig mit den Zuckerbussis knutschen …


Für diese Erdbeerliebelei gibt es kein Rezept. Sie besteht aus geschlagenem Obers, Baiserküssen (Baisermasse nach dieser Anleitung, vor dem Backen mit einer Sterntülle in kleinen Tupfen aufs Blech dressiert) und frischen Walderdbeeren. Aber was für ein Genuss …
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