Freitag, 28. Juni 2013

Lichtbringer


Sommerpflanzen sind besonders. Sie strahlen, wirken kraftvoll und selbstbewusst. Königskerzen richten sich steil in die Höhe, Wegwarte begleitet uns jetzt überall. Und das Johanniskraut: Kleine, gelbe Sonnenrädchen sitzen an soliden Stängeln und schauen ins Licht. Scheinen es aufzusaugen und sich einzuverleiben. Und tatsächlich ist es diese Ahnung, die sich von Generation zu Generation überliefert hat: Dass das Johanniskraut in der Lage ist, die Kraft der Sonne zu speichern und weiterzugeben.

Zur Sommersonnenwende, wenn die Tage am längsten sind, beginnt das Johanniskraut zu blühen. Man sagt, um diese Zeit geerntet besitze es besondere Kräfte – für Gesundheit und Gemüt. Ich nehme dieses besonders wertvolle Geschenk der Natur mehr als gerne an und lege die Blüten in Öl:


Sonnwendöl

Johanniskraut- oder Sonnwendöl ist für mich unentbehrlich. Ich verwende es bei leichten Verbrennungen und Sonnenbrand, heile damit wunde Stellen und lindere Kopfschmerzen, indem ich es auf meine Schläfen tupfe. Es ist eine wunderbare Grundlage für Massageöle, weil es Knorpel und Gewebe nährt – und auch bei der kaputten Sehne meines Pferdes hat es in Verbindung mit einer gut gewählten Mischung ätherischer Öle wahre Wunder bewirkt. Härtet man es mit Bienenwachs aus (etwa 3 EL Bienenwachs auf 200 ml Öl), so entsteht ein heilsamer Wund- und Lippenbalsam.

1. Blüten und Knospen vom Echten Johanniskraut* sammeln und in ein weithalsiges Gefäß geben.

2. Mit einem Löffel oder Mörser leicht anquetschen.

3. Mit kaltgepresstem Olivenöl auffüllen, dabei so viel Öl in das Gefäß leeren, bis die Blüten gerade zu schwimmen beginnen.

4. Das Glas gut verschließen und in die Sonne stellen.

5. Etwa 6 Wochen ruhen lassen, dabei immer wieder kräftig schütteln. Nach dieser Zeit sollte das Öl seine typische rote Farbe angenommen haben.

6. Das Öl durch ein feines Sieb abseihen, das Pflanzenmaterial gut ausdrücken.

7. In dunkle Flaschen abfüllen und kühl aufbewahren. Sollte das Olivenöl dabei auskristallisieren, braucht man es nur einige Zeit bei Raumtemperatur stehen zu lassen und schon wird es wieder flüssig.


* Das echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) hat drei Merkmale:

1. Ein wie durchlöchert wirkendes Blatt
Was wie perforiert aussieht (am oberen Bild kann man es gut erkennen), sind die in den Blättern enthaltenen Ölzellen mit dem ätherischen Öl der Pflanze.

2. Einen zweikantigen Stängel
Augen schließen und den Stängel zwischen den Fingern rollen – es sind zwei Längsleisten fühlbar.

3. Blüten, die beim Zerreiben die Finger rot bis lila färben
Die goldgelben Blütenblätter enthalten den roten Farbstoff Hypericin – er macht das Öl bis zu zwei Jahre haltbar (das Öl auf dem Foto stammt vom letzten Jahr – es ist noch immer problemlos zu verwenden) und ist, so nimmt man an, für den nervenstärkenden Effekt des Johanniskrauts verantwortlich.

Vorsicht übrigens beim Gebrauch des Öls in der Sonne: Es erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut!
Montag, 24. Juni 2013

Farbenlehre


Gurken sind weiß. Auch Äpfel, Birnen, Bananen, alles weiß. Sagt zumindest die Wissenschaft. Die hat nämlich, um im Rahmen einer Langzeitstudie die Auswirkung verschiedener Obst- und Gemüsesorten auf das menschliche Schlaganfallrisiko bewerten zu können, alles Fruchtige und Gemüsige nach Farben geordnet. Und das Ergebnis ist ungewöhnlich und auch irgendwie verblüffend: Nur weißes Obst und Gemüse senkte das Risiko deutlich, alle anders gefärbten Früchte, Knollen und Wurzeln zeigten keinen Effekt. Wen die Details interessieren: hier.

Es ist also nicht nur farbenfrohes Essen gesund, auch das unbunte schenkt uns Kraft und Leben. Und sogar Obstsalat, mein Inbegriff eines optisch lebhaften Gerichts, funktioniert in weiß. Und wie!


Weißer Obstsalat mit Hollerblütenmousse

Nicht schrecken vor den Gurken im Obstsalat. Sie schmecken ähnlich wie etwas unreife Melonen und passen hervorragend.

Zutaten für 4 Portionen

Für das Hollerblütenmousse
3 Blatt Gelatine
250 g Vollmilchjoghurt
2 EL Zitronensaft
100 ml Holunderblütensirup
100 g Schlagobers

Für den Obstsalat
½ Gurke
100 ml Wasser
2 EL Vanillezucker
1 TL Zitronensaft
2 kleine Bananen
2 kleine Äpfel

1. Für das Hollerblütenmousse die Gelatine in kaltem Wasser einweichen.

2. Joghurt mit Zitronensaft und Holunderblütensirup verrühren.

3. Die eingeweichte Gelatine gut ausdrücken und in einem kleinen Topf in wenig Wasser bei schwacher Hitze auflösen. Unter ständigem Rühren unter das Joghurt mischen. Die Creme im Kühlschrank leicht fest werden lassen.

4. In der Zwischenzeit die Gurke schälen, längs halbieren, die Kerne entfernen und in etwa 5 mm dicke Scheiben schneiden. Die Gurkenstücke in eine kleine Schüssel geben.

5. Wasser mit Vanillezucker aufkochen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Vom Herd nehmen, Zitronensaft dazugeben und alles über die Gurken gießen. Sofort und für mindestens 2 Stunden kalt stellen.

6. Sobald die Joghurtcreme zu Gelieren beginnt, das Schlagobers steif schlagen und unterheben. Im Kühlschrank einige Stunden fest werden lassen.

7. Äpfel und Bananen schälen und in kleine Stücke schneiden. Mit den Vanillegurken vermischen und in Dessertschalen oder Gläsern anrichten.

8. Vom Hollerblütenmousse mit einem Löffel oder Eiskugelportionierer kleine Nockerl abstechen und auf den Obstsalat geben. Wer mag, kann noch mit Hollerblüten garnieren.
Freitag, 21. Juni 2013

Johannis und Rhabarbara


Was nach einer Liebesgeschichte klingt, nach einer romantischen, vielleicht etwas abstrusen, ist in Wahrheit genau das Gegenteil. Denn wenn Johannis kommt, muss Rhabarbara gehen. Wobei … eigentlich darf sie ja dann bleiben. Damit sie überhaupt wiederkommen kann. Und ein Jahr drauf ist wieder der Johannis da und was die Rhabarbara dann macht … eh schon wissen.

Na gut, dann halt weniger kryptisch, damit es auch jeder versteht: Rhabarbara, das ist unser Nickname für (tata!) Rhabarber. Und mit dem männlichen Part der Geschichte ist der Johannistag gemeint, der 24. Juni. Dieser Tag ist ein alter Lostag, hier endet traditionellerweise auch die Ernte der sauren, grün-rosanen Gemüsestangen. Warum? Damit es auch im nächsten Jahr wieder reichlichen Rhabarbersegen gibt. Über den Sommer und bis in den Herbst hinein muss er nämlich mit Hilfe der verbleibenden Blätter Nährstoffe bilden und in seinen Wurzelstock einlagern. So hat er im Frühjahr wieder genug Kraft zum Austreiben.

Es bleibt also nicht mehr viel Zeit, nur ein bisserl noch. Deshalb:

Rhabarber-Mascarpone-Crumble

Die Idee, die Fruchtmasse für einen Crumble mit Mascarpone zu vermischen, finde ich vor allem beim Rhabarber sehr gelungen. Der Geschmack wird dadurch milder, die Säure dominiert nicht mehr ganz so stark.

Zutaten für 4 - 6 Personen

6 – 10 Rhabarberstangen, je nachdem, wie viel im Haus sind
2 EL Zucker
frisch gepresster Saft von ½ Orange
80 g Mascarpone

Für die Streuselmasse
50 g Butter
75 g Mehl
75 g Mandelblättchen
50 g Haferflocken
50 g brauner Zucker

1. Rhabarber schälen und in etwa 3 cm große Stücke schneiden. Zusammen mit dem Zucker und dem Orangensaft in einem kleinen Topf aufkochen und etwa 4 – 5 Minuten köcheln lassen, bis der Rhabarber weich ist. Auskühlen lassen.

2. Backofen auf 180 °C vorheizen.

3. Mascarpone unter die Rhabarbermasse rühren und in eine größere oder mehrere kleine Auflaufformen füllen.

4. Für die Streusel alle Zutaten mit den Händen verbröseln (eventuell noch mit einer Prise Zimt würzen). Die Streusel auf dem Rhabarber verteilen und alles im Ofen in etwa 25 Minuten goldbraun backen.

Die Inspiration für dieses Rezept stammt von hier.
Samstag, 15. Juni 2013

Marienkäfer schau'n


Das geht dieser Tage besonders gut entlang großer Brennnesselweiden wie sie bei uns hinterm Haus auf der alten Rosskoppel stehen.


Als Kind habe ich diese bezaubernden Wesen vergöttert – sie faszinieren (mich) noch immer …


Und so werden wohl Marienkäfer-Babys gemacht: J

Mittwoch, 12. Juni 2013

Mühlviertel kulinarisch


Das ist die alte Rein meiner Mühlviertler Oma. Die Rein steht auf Mühlviertler Zwilch. Und in ihr drin ist traditionelles Mühlviertler Essen. Das ist so einfach und so gut, dass es mich ganz glückselig macht, auch wenn der Name des Gerichts ein bisserl komisch ist: Es ist nämlich ein Schedl. Noch dazu wird dieses Wort bei uns eher schlampig ausgesprochen, mit einem zähen „e“ und das „d“ lassen wir komplett weg. Müsste ich es aufschreiben, dann stünde da: Schä’l oder so. Und da muss ich zugeben: Verheißung klingt anders. Aber so sind wir halt, wir Mühlviertler. Ganz eigene Schedln. Mit ganz eigenen, wunderbaren Rezepten.


Dünner Schedl

Ein Schedl wird in einer Rein gebacken und ist ein zumeist eher flaches Gericht. Er kann süß sein oder pikant, mit Fleisch oder ohne. Da gibt es Räuberschedl oder Leberschedl, Erdäpfelschedl oder diesen hier, den Dünnen Schedl. Der schmeckt warm und kalt sehr gut, ist blitzschnell zubereitet und Kinder lieben ihn geradezu (ich auch). Die Menge ist für 4 Portionen gerechnet, aber, ähem, ich hab die ganze Rein allein verputzt J.

2 EL Butter
¼ l Milch
100 g Grieß
1 EL Zucker
1 Messerspitze gemahlener Anis oder Zimt
2 Äpfel

1. Backofen auf 170 °C vorheizen.

2. Die Butter in einem kleinen Topf bei relativ starker Hitze rasch schmelzen. Sobald sie zu bräunen beginnt, vom Herd nehmen und in eine kleine Rein (eine hitzebeständige Auflaufform) gießen.

3. Milch dazugießen und am Herd aufkochen.

4. Grieß in die Butter-Milch-Mischung leeren und sehr rasch gleichmäßig verteilen.

5. Die Äpfel schälen und feinblättrig über die Grießmasse hobeln.

6. Zucker und Anis oder Zimt vermischen und über die Äpfel streuen.

7. Den Schedl im Rohr etwa 10 Minuten backen, bis die Äpfel weich sind.


Rezept aus „Mühlviertler Küche“ von Georg Friedl, erschienen im Verlag Bibliothek der Provinz.

Das ist mein Beitrag für das Blogevent Österreich kulinarisch, zu dem die Turbohausfrau in den Kochtopf eingeladen hat.

Samstag, 8. Juni 2013

Gemeinschaftspraxis Dr. Wegerich


Dr. Wegerich ist natürlich für sich allein schon eine Koryphäe auf dem Gebiet der Wund- und Heilforschung. Manchmal ordiniert er aber auch gern in einer Gemeinschaftspraxis, zusammen mit Drin Schafgarbe und dem Alternativmediziner Frauenmantel. Wunderheiler sind das, im besten Sinn des Wortes. Gemeinsam wirken sie

  • wundheilend,
  • entzündungshemmend,
  • antiseptisch.

Diese Kombination ist unschlagbar bei kleinen Schrammen und Kratzern (Kennt ihr den Ausdruck Asphaltausschlag? Perfekt dafür!). Bei uns konnte sie aber auch schon größeren Wunden zu einer überraschend schnellen Heilung verhelfen. Dafür liebe ich dieses Dreigespann.


Wund- und Heilsalbe

Man braucht:
Junge Blätter vom Spitzwegerich
Schafgarbe, die obere Hälfte der Pflanze
Frauenmantel, die obere Hälfte der Pflanze
Olivenöl
Bienenwachs
nach Wunsch einige Tropfen ätherisches Öl, zum Beispiel Römische Kamille oder Zitrone

Die Salbe wird angesetzt und fertig gestellt wie die Spitzwegerichsalbe. In Kurzform heißt das:

  • Pflanzen zerkleinern.
  • In ein gut verschließbares Gefäß geben.
  • Mit Olivenöl bedecken.
  • Glas verschließen und in die Sonne stellen.
  • 3 bis 6 Wochen dort belassen.
  • Abseihen, das Pflanzenmaterial auspressen, das Öl eventuell noch durch ein feines Sieb filtern.
  • Das Öl nach Wunsch mit ätherischem Öl versetzen.
  • Mit Bienenwachs aushärten (für diese Salbe habe ich für 100 ml Öl 10 g Bienenwachs verwendet).
  • In kleine Gefäße oder Dosen abfüllen lassen und abkühlen lassen.

Zur Haltbarkeit: Die Salbe auf dem Foto stammt noch vom letzten Jahr. Ich habe sie gut verschlossen im Küchenschrank aufbewahrt, weder kühl noch sonst irgendwie besonders geschützt. Und noch immer riecht sie frisch und angenehm, die Konsistenz schmelzend und fein. Ich war selber überrascht. Natürlich kann es aber sein, dass sich über die Zeit ein Teil der Wirkstoffe abbaut. Deshalb sollten Salben immer so frisch als möglich verwendet werden.


Überhaupt gibt es zum Frauenmantel noch etwas sehr Besonderes zu erzählen: Ich habe mich oft gewundert, warum auf dieser Pflanze nicht nur morgens, sondern auch tagsüber noch so viele kleine Tautröpfchen sitzen, die im Licht wie Diamanten funkeln. Nun, jetzt weiß ich es: Frauenmanteltau ist von den Blättern aktiv wieder an die Oberfläche abgegebenes Wasser, die Pflanze erzeugt es aus sich selbst. Deshalb nannte man den Frauenmantel zu früheren Zeiten auch die Tauschöne. Dieser Tau galt als besonders rein und segensreich und man nutzte ihn als Schönheitselixier und für so manchen Zauber. Laut dem Kräuterkundigen Tabernaemontanus soll er sogar Frauen nach der Entbindung ihr jungfräuliches Aussehen zurückgeben:

„Dieses Kraut in Regenwasser gesotten und damit die heimlichen Örter der Weiber gewaschen, dringet es dieselbigen zusammen, als wenn sie Jungfrauen werend, und wenn eine Frau weiche Brüste hat, in die Badestube geht und ein mit Sinau (Frauenmantel) genetztes Tüchlein überlegt, bekommt sie straffe Brüste.“

Halleluja J.
Donnerstag, 6. Juni 2013

Im Untergrund


Menschen, die bei diesem Wetter nicht huaschdad werden, sind Rossnaturen oder Couchpotatoes. Zwischendrin gibt es Leute wie das Minimädel und mich, die mal rausgehen, mal drinnen bleiben, mal zu viel anhaben – und mal zu wenig. Wenn dann der Husten kommt, hilft selbst gemachter Hustensaft aus frisch gesammelten Kräutern. Er wirkt sanft, weshalb von ihm zwar keine großen Wunder erwartet werden sollten (schon gar nicht über Nacht), aber er schmeckt fein und auch Kinder nehmen ihn gern – vor allem dann, wenn sie beim Ein- und Ausgraben helfen dürfen.

Ein- und Ausgraben? Genau. Ich setze meinen Hustensaft ja gerne als Schichtsirup an. Dafür gibt es aber (wieder einmal) nicht die eine Rezeptur und dementsprechend ist die Vielfalt an Anleitungen, die sich dafür finden, relativ groß. Mit Spitzwegerich oder Maiwipferl, mit Zucker oder Honig, gut verschlossenen oder luftdurchlässig beziehungsweise dunkel oder sonnig beziehungsweise ein oder drei Monate gelagert. Hm.


Rezeptefülle führt zu Abenteuerlust, zumindest bei mir. Deshalb probiere ich dieses Jahr einen Erdkammersirup aus. So geht’s:

1. Zuerst werden frische Hustenkräuter gesammelt: Maiwipferl von Tanne oder Fichte, Spitzwegerichblätter, Quendel oder Huflattichblätter eignen sich gut dafür. Ich habe mich für eine Mischung aus Fichtenwipferln, Spitzwegerich und Quendel entschieden. Fichtenwipferl wirken durch ihre ätherischen Öle lockernd und lösend, ebenso der Quendel. Quendel wirkt außerdem krampflösend und antibiotisch. Und die Schleimstoffe des Spitzwegerichs hüllen die gereizten Atemwege schützend ein und mindern so den Hustenreiz (der mich sonst in der Nacht ganz wuschi macht).

2. Die Kräuter säubern und in etwa 1 cm große Stücke schneiden.


3. Nun werden die Kräuter abwechselnd mit feinem Kristallzucker (wer mag, kann auch feinen Rohzucker oder Honig verwenden) in ein großes Glas mit Bügelverschluss geschichtet. Man beginnt mit einer Schicht Kräuter, dann Zucker, dann Kräuter, usw. Die etwa 1 cm dicken Lagen zwischendurch immer wieder mit einem Löffel gut anpressen. Mit Zucker abschließen.

4. Das Glas bleibt nun einige Stunden stehen, dafür muss es noch nicht verschlossen werden. Diese Wartezeit sorgt dafür, dass sich der Inhalt noch etwas setzt.

5. Dann nochmals bis oben hin mit Zucker auffüllen und das Glas gut verschließen.


6. Jetzt kommt die Erdkammer. Dafür im Garten ein etwa 50 cm tiefes Loch graben. Es soll so breit sein, dass das Glas ganz locker hineingeht.


7. Das Glas wird nun in Zeitungspapier gewickelt oder auch in ein Plastiksackerl, wenn es sehr nass ist (so wie jetzt).

8. So, und jetzt wird’s ein bisserl grauslich, zumindest für die meisten. Jetzt kommt nämlich eine große Schaufel frischer Pferdemist (am besten aus eigener „Erzeugung“ J) in die Erdkammer. Darauf kommt das eingewickelte Glas, dann wieder Pferdemist. Schließlich wird das Ganze noch mit Erde zugedeckt. Der Pferdemist ist so etwas wie eine zusätzliche Heizdecke für den Sirup, es geht aber natürlich auch ohne.

9. Die Erdkammer gut markieren, damit man sie später wieder findet.


10. Jetzt heißt es nur noch abwarten: 2 Mondzyklen, also Monate lang.

Durch die gleich bleibende Wärme unter der Erde beginnt der Zucker zu vergären, die Wirkstoffe der Pflanzen gehen in den entstehenden Sirup über. Vielleicht sind es aber auch die von Sibylle von Olfers so wunderbar illustrierten Wurzelkinder, die für uns eine Medizin daraus zaubern?
Montag, 3. Juni 2013

Nix für schwache Nerven


Dieses Foto sieht sehr harmlos aus. Es zeigt zwei Kinderhände, die mit einem stumpfen Messer auf einem unzerstörbaren Kunststoffbrett eine dünne Scheibe Käse schneiden. Der Tisch darunter ist mit einer zusätzlichen Unterlage geschützt. Alles easy! Oder?

Achtung: Menschen mit schwachen Nerven sollten an dieser Stelle innehalten und auf keinen Fall mehr weiterscrollen. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich die folgenden Bilder überhaupt posten soll. Dann habe ich mich dafür entschieden. Ja, sie mögen schockierend sein und ja, sie zeigen Dinge, die unter gewissen Umständen nur schwer auszuhalten sind. Aber so ist es nun mal, das Leben. Also Augen auf und durch.






:-)

Ich bewundere Jungmamis wie meine Freundin U. Trotz Baustellen- und Zweitbabystress ist sie vollkommen entspannt, wenn zwei Minimädels (eins davon das meine) in eher unkoordinierter Teamarbeit einen doch beträchtlichen Teil ihres Wohnraums großzügig mit Mehl bestäuben und ihre Hände derart in Brotteig wickeln, dass das Abwaschen eine halbe Stunde dauert.

Ich finde es schön und wichtig, Kindern schon früh erste Erlebnisse und Erfolge in der „echten“ Küche zuzutrauen, auch wenn es für uns Erwachsene mit mehr Zeit und Arbeit verbunden ist. Es lohnt sich, da bin ich mir sicher. Deshalb danke, liebe U., für den lustigen Backnachmittag. Wir haben ihn sehr genossen! Und die Weckerl natürlich auch.


Kinderleichte Roggenweckerl

Prima für die Kindergarten- und Schuljause!

Zutaten für etwa 30 Stück

1 kg Roggenmehl
250 g Weizenmehl
2 Packerl Trockengerm
2 EL Salz
2 EL Zucker
2 EL Brotgewürz
½ l lauwarmes Wasser
½ l lauwarme Milch
Zum Füllen: Käse, Oliven, gemischte Wildkräuter, Speckwürfel,…
Zum Bestreichen: etwas Milch und Wasser
Zum Bestreuen: Mohn, Sonnenblumenkerne, Leinsamen, großes Meersalz, Kürbiskerne, …

1. Alle trockenen Zutaten vermischen und Wasser sowie Milch unterrühren. Mit den Knethaken des Küchenmixers kneten, bis einer geschmeidiger Teig entsteht - dieser ist sehr weich (mit genügend Mehl lässt er sich aber später dann trotzdem gut verarbeiten). Wer den Teig lieber etwas kompakter haben möchte, verwendet etwas weniger Flüssigkeit.

2. Den Teig an einem warmen Ort zugedeckt gehen lassen, bis er sein Volumen verdoppelt hat.

3. Die Zutaten für die Füllung in kleine Stücke schneiden, Wildkräuter fein hacken. Alle Zutaten in kleinen Schälchen bereitstellen, ebenso wie das Milch-Wasser-Gemisch zum Bestreichen und Kerne, Samen oder Salz zum Bestreuen.

4. Das Backrohr auf 200 °C Heißluft vorheizen.

5. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche kurz durchkneten. Und dann heißt es: Furchtlos sein. Mehl auf die Arbeitsfläche streuen, einen kleinen Teil vom Teig abstechen und mit den Händen flach drücken (etwa 4 mm dick). Der Teigfladen kann ruhig ungleichmäßig sein. Nach Belieben mit Kräutern, Käse, … bestreuen und einrollen. Mit dem Milch-Wasser-Gemisch bestreichen und mit Kernen, Samen oder Salz bestreuen.

6. Die Weckerl auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und in etwa 20 Minuten goldbraun backen.
Samstag, 1. Juni 2013

Glückskraut


Dass die Brennnessel mein Lieblingsunkraut ist, ist hier nicht zum ersten Mal zu lesen. Ich finde sie wunder- und wandelbar, be- und verzaubernd. Jetzt hat sie mir auch noch großes Glück gebracht: Eine wahnsinnige Zeit steht an, eine wahnsinnig spannende. Dank ihr darf ich mir einen lang gehegten Kindheitstraum erfüllen.


Mehr gibt es hier und jetzt (noch) nicht zu erzählen, bestimmt aber bald. In der Zwischenzeit:

Brennnesselsuppe

Junge Brennnesselblätter gibt es nicht nur im Frühjahr zu ernten, auch später noch. Nach dem Mähen der Wiesen wachsen sie immer wieder frisch nach. Das Sammeln einer größeren Menge lohnt sich, denn je mehr Brennnesselblätter verwendet werden, desto intensiver wird die Suppe im Geschmack.

Zutaten für 3 – 4 Personen

1 EL Butter
1 kleine Kartoffel, geschält und gewürfelt
½ Zwiebel, geschält und fein gehackt
350 ml Gemüsesuppe
250 ml Milch
ein Schuss Schlagobers
150 g junge Brennnesselblätter, grob gehackt
Salz und Muskatnuss

1. Butter in einem mittelgroßen Topf schmelzen, Kartoffeln und Zwiebeln darin etwa 10 Minuten bei mittlerer Hitze zugedeckt dünsten.

2. Suppe und Milch dazugießen und aufkochen lassen.

3. Die Suppe köcheln lassen, bis die Kartoffeln weich sind.

4. Die Brennnesselblätter einrühren und 2 – 3 Minuten kräftig kochen lassen, bis die Blätter zusammengefallen sind.

5. Suppe pürieren, mit Salz und Muskat abschmecken und mit einem Schuss Schlagobers abrunden.

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