Samstag, 28. April 2012

Facebookdiskriminiert

Aha.
Heute wollte ich mich (und meinen Blog) zwecks weiterer Integration in die Foodblogger-Welt auf der Plattform genussblogs.net anmelden.
Ging aber nicht.
Für diese Anmeldung ist nämlich etwas erforderlich, was ich nicht habe: ein Facebook-Account.

Ich fühle mich diskriminiert, ziemlich sogar. Geht denn heute gar nichts mehr ohne 250 Freunde (die oft nicht mal welche sind!!!), ohne liken und adden und Daumen nach oben?
Mmh.
Nein, ich bleibe standhaft und weiter konsequente Facebook-Verweigerin.


Gott sei Dank gibt es Katha, Ellja und Eline. Sie haben im Sommer 2011 den Aufruf Mahlzeit! gestartet und sich auf die Suche nach Österreichischen Foodblogs gemacht. Mit April 2012 stehen schon 103 Blogs auf der Liste und es ist schön, sich durch so viele heimische Seiten klicken zu können.

Mit dabei: Das Mädel vom Land. Und zwar ganz ohne das Buch mit den vielen Gesichtern.
Geht doch!
Freitag, 27. April 2012

Tischgespräche

Worüber redet ihr beim Essen? Über die kleinen Kleinen-Problemchen? Über die nächsten Geburtstage und die noch ausständigen Geschenke? Über Purzelsport (Fußball, eh klar)?

Alles viel zu oberflächlich, zu wenig ambitioniert, meinte der britische Philosoph Theodore Zeldin und rief bereits 2001 die „Conversation Dinners“ ins Leben: eine besondere Form des Tischgesprächs, bei der man einem völlig Fremden gegenübersitzt und nicht nur ein kulinarisches, sondern auch ein Fragenmenü vorgesetzt bekommt.

Erstmals finden diese Conversation Dinners nun auch im deutschsprachigen Raum statt. Und zwar am kommenden Samstag, dem 28. April, zu Mittag im Wien Museum und am Abend im Gasthaus „Goldmarie“ (was für ein schöner Name) in Meidling. Anmeldung erforderlich! Dort wird es Gelegenheit geben, ein vegetarisches Menü und ein ziemlich unvorhersehbares Gespräch zu genießen.

Dann redet man mit besagtem völlig Fremden über Dinge wie:

* Wo sind die Grenzen deines Mitgefühls?
* Wann hast du dich wirklich alleine gefühlt und wie hast du dir dagegen geholfen?
* Was hast du auf Reisen entdeckt und mit nach Hause gebracht?
* Wie sehr hat deine Herkunft dich in deinem Leben beschränkt oder begünstigt?
* Was hast du im Laufe deines Lebens über die unterschiedlichen Formen von Liebe gelernt?
* Wann bist du am tolerantesten, wann am intolerantesten?
* Welche Teile deines Lebens waren Zeitverschwendung?

Das klingt spannend und spaßig, möglicherweise auch ein klein wenig anstrengend. Ist vielleicht aber auch eine Anregung für das nächste Candle Light Dinner daheim?
Mittwoch, 25. April 2012

Salzamtsstunden


Zwei, um genau zu sein. Zwei Stunden im Linzer Salzamt haben wieder mal gereicht, um mich restlos zu begeistern.
Dies ist keine Restaurantkritik. Dies ist eine Liebeserklärung. Eine Ode. Eine Ode an Georg Friedl und seine Art zu kochen.


Wir haben vergangenen Montag etwas sehr Verwegenes getan. Wir waren auf ein Mittagsmenü beim besten Koch des Mühlviertels. Natürlich kann man da nicht einfach so reinspazieren, man muss reservieren. (Einige Übermütige haben es ohne versucht und mussten gebückten Hauptes und mit wehmütigen Blicken Richtung Küche das Lokal wieder verlassen. Ich hatte Mitleid, tief empfundenes sogar, hätte aber meinen Platz nie und nimmer aufgegeben.) Reservieren deshalb, weil im Salzamt nicht sehr viele Gäste Platz finden. Was wiederum davon zeugt, dass es hier ganz und gar nicht darum geht, möglichst viele Menschen in möglichst kurzer Zeit satt zu kriegen. Es geht um Qualität. Und das im besten, im überzeugendsten, ach, einfach im genialsten Sinn des Wortes.

Oft habe ich in Restaurants das Problem, dass ich nicht weiß, was ich essen soll. Besonders, wenn eine sehr fleischlastige Speisekarte vor mir liegt. Im Salzamt ist das anders, was es aber nicht unbedingt einfacher macht. Denn auch hier weiß ich nicht, was ich essen soll. Weil ich nämlich alles essen will. Alles! Und mir das Herz blutet beim Gedanken an die vielen Köstlichkeiten, die ich nicht probieren kann (beim besten Willen nicht). Na ja, das ist vielleicht ein bissl pathetisch ausgedrückt, aber im Grunde ist es genau so.


Georg Friedls Küche ist bodenständig, aber immer mit dem gewissen Etwas. Er kocht gern nach alten Mühlviertler Rezepturen und sucht dafür einzigartige Zutaten aus der Region, aus seiner unmittelbaren Umgebung. Viele Wildkräuter sind dabei. Er liebt das Kochen und seine Heimat, das schmeckt man und das sieht man auch.
Georg Friedl schafft aber noch mehr, als seine Gäste „bloß“ in den siebten Genusshimmel zu kochen. Er macht Lust auf das Daheim. Auf die Suche nach den eigenen (kulinarischen) Wurzeln, auf das Aufspüren besonderer Produkte, auf Leinöl und Blaudruck. Schön ist das.

Wofür ich mich schließlich (schweren Herzens, siehe oben) entschieden habe? Nun, da war zuerst die Rindssuppe mit Brennnesselfrittaten. Ein Muss für mich, denn ich liebe Brennnesseln. Heiße Rindssuppe sowieso.
Dann die Zwieg’spitzten Nudeln (aus Kartoffelteig) mit Raritätenblattgemüse und Knollenziest, alles gebraten und kräftig abgeschmeckt, mit dunkelblauen Blüten dekoriert (Kriechender Günsel?). Übrigens meine erste (bereits lang ersehnte) Bekanntschaft mit dem Knollenziest – und gleich mein neues Lieblingsgemüse. Sein Geschmack ist sehr dezent, sein Inneres weich, fast cremig. Am besten aber ist die Form: Wie kleine, fette Maden sehen sie aus, die witzigen, weißen Knöllchen. Herrlich anders.
Als Nachspeise eine Topfentarte mit Karotten-Huflattich-Sauce, aus zwei Gründen: Erstens komm ich, ganz generell, an Topfen nicht vorbei. Und zweitens hat mich der Hinweis in der Speisekarte neugierig gemacht, dass die Kombination aus Karotten und Huflattich nach Mango schmeckt. Es war so. Und ich war satt und glücklich.

Wieder zuhause habe ich gleich in meinen zwei Friedl-Kochbüchern geblättert (dem hier und dem hier). Und das Rezept für die Karotten-Huflattich-Sauce gefunden. Schon wieder glücklich. 
Sonntag, 22. April 2012

Das Katzerl muss nicht sterben


Irgendwann ist man einfach zu alt für Hello Kitty. Meinte die große Schwester und schenkte der kleinen Schwester zum Geburtstag (irgendwo zwischen deren zwanzigsten und dreißigsten) ein Buch. Es hieß: „Hello Kitty muss sterben“. Das war ironisch gemeint, aber ob diese Ironie eine hundertprozentige war, ließe sich hinterfragen. Die Sandwich-Schwester hingegen (das bin ich) freut sich über ihr Minimädel. Denn so darf das Katzerl weiterleben – und sogar die große Schwester findet’s süß.


Hello Kitty-Torte

(nach einem Rezept aus dem Koch & Back Journal, Ausgabe 5/2009)

Im Originalrezept ein klassischer Rührteig, mit Butter-Zucker-Abtrieb, Dotter unterrühren, Mehl und Eischnee unterheben. Ich hab’s mir etwas leichter gemacht. Außerdem habe ich die Torte nicht, wie im Rezept stand, vor dem Füllen in Kitty-Form gebracht, sondern erst danach. War für mich irgendwie logischer.

Zutaten für 1 Torte

4 Eier
120 g Zucker
1 EL Vanillezucker
80 g Butter
abgeriebene Schale von ½ Zitrone
100 g Mehl
½ TL Backpulver

80 g Erdbeermarmelade zum Bestreichen

Creme:
100 g Vollmilchschokolade (ein Lindt-Osterhaserl passt perfekt)
250 g Erdbeeren
3 Blätter Gelatine
¼ l Schlagobers
50 g Staubzucker
1 EL Vanillezucker

Dekoration:
¼ l Schlagobers
50 g Marzipan
Rote und gelbe Lebensmittelfarbe
50 g dunkle Schokolade
6 Schoko-Staberl (z. B. die „Mikado“)

1. Backrohr auf 180 °C vorheizen.

2. Den Boden einer Springform (26 cm Durchmesser) mit Backtrennpapier auslgeben.

3. Die Eier mit Zucker und Vanillezucker hell schaumig schlagen.

4. In der Zwischenzeit die Butter zerlassen und etwas überkühlen lassen.

5. Mehl mit Backpulver vermischen und gemeinsam mit der Zitronenschale und der zerlassenen Butter vorsichtig unter den Eischnee mengen.

6. Den Teig in die Springform füllen, glatt streichen und etwa 20 – 25 Minuten backen.

7. Auskühlen lassen und aus der Springform lösen. Auf ein Teller stürzen und das Papier abziehen.

8. Die Torte mit einem Sägemesser quer halbieren. Die untere Hälfte mit Marmelade bestreichen und einen Tortenring drum herum legen.

9. Für die Creme die Schokolade grob hacken, die Erdbeeren waschen und klein schneiden und die Gelatine in kaltem Wasser einweichen.

10. Das Schlagobers mit Zucker und Vanillezucker steif schlagen. Gelatine mit etwas Wasser nach Packungsanweisung auflösen und bei laufendem Mixer in das Schlagobers einrühren. Dann noch die Erdbeerstücke und die Schokolade unterheben.

11. Die Creme auf den Tortenboden im Ring streichen, den zweiten Boden drauflegen und leicht andrücken. Torte etwa 4 Stunden kalt stellen (in meinem Fall haben auch 2 Stunden gereicht).


12. Torte mit einem Messer in Kitty-Form bringen – dafür entweder eine Schablone anfertigen oder mit freiem Auge. Geht auch ganz gut.


13. Schlagobers steif schlagen und die Torte rundherum damit einstreichen.


14. Für die Dekoration den Großteil des Marzipans mit roter Lebensmittelfarbe verkneten, den Rest mit gelber Farbe. Ich ziehe dazu Einweghandschuhe an. (Noch einfacher ist es, wenn man gleich rotes und gelbes Marzipan verwendet – gibt’s in einer Dreiersortierung zu kaufen, rot, gelb und grün).

15. Das rote Marzipan auf etwas Staubzucker etwa 0,4 mm dick ausrollen und eine Schleife ausschneiden. Die Schleife auf die Torte legen. Das restliche Marzipan nochmals verkneten, wieder ausrollen und einen von der Größe her passenden Kreis ausstechen, diesen dann auf die Schleife legen.

16. Das gelbe Marzipan zu einem ovalen Stupsnäschen formen und ebenfalls auf der Torte platzieren – man beachte das „Kindchenschema“, also ziemlich weit unten!


17. Fast fertig. Durchhalten!

18. Nun kommt noch die Schokolade: Schmelzen und etwas überkühlen lassen (ist die Schoko zu heiß, rinnt das Obers davon!). Dann in ein Plastiksackerl füllen und ein kleines Stück von einer Ecke abschneiden. Mit der Schokolade die Konturen nachziehen und die Augen aufmalen.

19. Zum Schluss noch die „Barthaare“: Die Schoko-Staberl etwas kürzen und auf beiden Seiten in die Torte stecken.

20. Hallo Katzerl!

Freitag, 20. April 2012

Vorfreude


Die Apfelknödel meiner Mama: Gezuckerte Apfelstücke liegen in einem Bett aus Brandteig und werden im Rohr gebacken. Dabei karamellisiert der Saft der Früchte, unwiderstehlich.

Die mürben Apfelschlangerl von Oma, diese unvergesslich buttrigen, knusprigen, fruchtig süßen Dinger. Irgendwann krieg ich sie vielleicht auch mal so hin.

Die himmlischen Bratäpfel meiner Freundin Magdalena, die Äpfel handgepflückt im eigenen Obstgarten, gefüllt mit Nüssen, Honig und Zimt, dazu Vanilleeis und viel Schlagobers. Übrigens sind auch ihre Apfelchips ein Traum: hauchdünn geschnitten und knusprig.


O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh,
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch Du.

Theodor Fontane

Sonntag, 15. April 2012

<< dann lieben wir nichts mehr / als Brandteigkrapfen >>


Ich liebe es, zu Backen:
Das gleichförmige Rühren, Küchenmeditation.
Die vielen Metamorphosen (glitschiges Eiklar wird fluffiger Schnee, dottergelbe Massen werden zu cremeweißen Schäumen, flüssiger Rahm wird fest und stabil).
Der intensive Geschmack des ungebackenen Teiges.
Das Minimädel, das immerzu helfen und kosten will.
Die Pfoten meines Vierbeiners, die sich genau dann auf den Weg in die Küche machen, wenn ich die Teigschüssel ausputze.
Der Duft, der beim Backen die Wohnung durchzieht.

Dieser Duft ist beim Brandteig besonders köstlich: Karamellig, süßlich, krustig. Wie überhaupt alles am Brandteig besonders und köstlich ist. Denn aus Brandteig macht man Brandteigkrapfen, naturgemäß. Die Wasser-Butter-Mehl-Mischung im Topf abbrennen, vorsichtig die Eier untermischen, eins nach dem anderen, den Teig auf das Blech dressieren, dann das Warten, Schauen, Aufpassen, dass ja keiner die Ofentür aufmacht. Das Aufschneiden und Füllen, mit Vanillecreme oder Schlagobers. Fertigmachen: Schokolade. Oder Staubzucker. Wie herrlich.

Ordentliche Brandteigkrapfen müssen auch so heißen. Nicht Windbeutel, nicht Profiteroles. Bei der länglichen Variante bemühe ich allerdings mein (leider verstaubtes) Restfranzösisch: Éclairs. Klingt wunderschön. Weit schöner als Kaffeestange, was ja im deutschsprachigen Raum durchaus üblich sein soll. Das hört sich technisch an und engt die vielfältigen Talente des Brandteigs auf eine Geschmacksrichtung ein. Oder Hasenpfote. Ohne Kommentar. Und Liebesknochen! Das klingt doch eindeutig zweideutig, oder etwa nicht?

Gestern kam ich wieder einmal auf die Idee, Éclairs zu backen. Ein Boot hat mich dazu gebracht, genauer gesagt eines, das vor genau 100 Jahren gesunken ist. Ok, ein Schiff. Die Titanic, ja genau, das dürfte bei dem Medienaufwand die letzten beiden Wochen wohl niemandem entgangen sein. Am letzten Abend, so die Legende, wurden den betuchten Gästen Vanille-Schoko-Éclairs serviert. Das hat mich berührt. Naja, vielleicht auch nur deshalb, weil es unter Umständen sein kann, dass ich vor etlichen Jahren eventuell und möglicherweise ein klitzekleines bisschen in Leonardo di Caprio verknallt war. Aber da war ich noch jung und dumm und das ist überhaupt eine ganz andere Geschichte.


Vanille-Schoko-Éclairs

Zutaten für etwa 16 Stück

Brandteig:
¼ Liter Wasser
50 g Butter
1 EL Vanillezucker
1 Prise Salz
175 g Mehl
4 Eier

Vanillecreme:
½ l Milch
40 g Speisestärke
1 Prise Salz
2 EL Vanillezucker
½ TL Zitronenschale
1 Ei
250 g Schlagobers
2 EL Staubzucker

Schokoglasur:
125 g Schokolade
etwas Butter

1. Von der Milch eine Tasse abnehmen und mit Speisestärke verrühren.

2. Die restliche Milch mit Salz, Vanillezucker und Zitronenschale aufkochen, die angerührte Speisestärke einrühren, einmal aufkochen lassen, bis die Masse eindickt, und vom Herd nehmen.

3. Ei trennen, Eidotter in die Vanillemasse rühren.

4. Eiklar steif schlagen und unterheben.

5. Im Kühlschrank auskühlen lassen.

6. Schlagobers steif schlagen und mit dem Staubzucker süßen. Das Schlagobers unter die kalte Vanillemasse heben. Bis zur Verwendung nochmals kalt stellen.

7. Den Backofen auf 225 °C vorheizen.

8. Wasser mit Butter, Vanillezucker und Salz aufkochen.

9. Den Topf vom Herd nehmen und das Mehl auf einmal hineinschütten. Kräftig umrühren.

10. Teig bei schwacher Hitze weiterrühren, bis er sich vom Topfboden löst und sich darauf ein weißlicher Belag bildet. Topf vom Herd ziehen.

11. Ein Ei unterrühren, bis die Masse wieder gebunden ist.

12. Die restlichen Eier einzeln gut unterrühren.

13. Teig in einen Spritzbeutel mit großer Tülle füllen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech etwa 10 cm lange Streifen aufspritzen. Auf reichlich Abstand dazwischen achten!

14. Die Éclairs in etwa 20 Minuten goldbraun backen.

15. Kurz überkühlen lassen, dann gleich längs aufschneiden. Erkalten lassen.

16. Schokolade mit einem Stich Butter schmelzen und glatt rühren, dann die oberen Éclairhälften damit überziehen.

17. Vanillecreme mit dem Spritzbeutel auf die unteren Éclairhälften dressieren, die schokoglasierten Hälften daraufsetzen.


P.S.: Das kleinste Titanic-Museum der Welt, es misst gerade mal 1,45 m², befindet sich in Linz! Wer hätte das gedacht. In einer privaten Wohnung, besser gesagt: auf der Toilette derselben. Allein schon deshalb ist es eine Erwähnung wert. Tolle Homepage (das 360°-Bild!), tolles Klo.
Donnerstag, 12. April 2012

Dr. Wegerich

Endlich! Endlichendlichendlich. Der Spitzwegerich ist da. Nun sind die Rosetten dicht und die Blätter stark genug. Die erste Ernte des Jahres ist eingebracht.


Spitzwegerich ist wichtig: Wenn man sich in die Nesseln setzt. Wenn Lästwanzen plagen. Wenn aus einer Mücke ein Elefant wird. Oder wenn wer Flöhe hat im Ohr oder Hummeln im Hintern.
Das alles ist nicht sprichwörtlich gemeint, ganz und gar nicht. Die dunkelgrünen, festen Blätter mit den Längsadern wie vom Architekten sind tatsächlich meine erste Wahl bei Insektenstichen, Brennnesselblessuren und kleinen Wunden. Und nicht zu vergessen: Des Minimädels wundersüßer Zwetschkenpopo schwört ebenfalls auf dieses Kraut.
Antibakteriell wirkt es und zusammenziehend, es lindert den Juckreiz und beruhigt gereizte Haut. Für eine solch famose Arznei braucht keiner in die Apotheke zum Heiligen Wasweißich zu pilgern. Nein, einfach raus in die freie Natur.


Für den Notfall: Spitzwegerichblätter zwischen den Fingern zerwuzeln, bis etwas Saft austritt. Dann den Saft auf die juckende oder wehe Stelle streichen. Es kann auch das gequetschte Blatt aufgelegt werden.


Für die Hausapotheke: Öl oder Salbe daraus zaubern. Einfach gemacht und, wie ich finde, unentbehrlich. Dafür werden Spitzwegerichblätter gesammelt, daheim gesäubert und grob zerkleinert. Der Spitzwegerich kommt in ein Glas (nicht unbedingt reinstopfen, aber voll sollte es schon sein). Dann mit Olivenöl bis zum Rand auffüllen. Verschließen und auf ein Fensterbankerl in die Sonne stellen.


In drei Wochen geht’s weiter!

Bis dahin bleibt mir allerdings eine Frage: Warum gibt es eigentlich so viele Redewendungen mit Insekten drin?


Dienstag, 10. April 2012

Sonntagssüß: Ostertorte

Als ich vor Jahren begann, Blogs zu lesen, war ich in Ermangelung muttersprachlicher Alternativen vor allem auf internationalen Seiten unterwegs: Delicious days, Baking Obsession, 101 Cookbooks, Cannelle et Vanille, Tartelette, La Tartine Gourmande. Mein Englisch hat sich schlagartig verbessert. Und ich habe Blog-Events kennengelernt.

Damals hießen sie „Daring Bakers“ oder „Tuesday with Dorie“ (das tun sie auch heute noch). Das Prinzip ist einfach: Alle kochen / backen nach einem bestimmten Rezept oder Thema (was, das bestimmt der jeweilige Gastgeber des Events), posten es auf ihren Blogs und dann klickt man sich durch. Staunt darüber, wie unterschiedlich eine Vorgabe interpretiert werden kann, freut sich an unerwarteten Ideen, findet neue Blogs. Ich war begeistert. Vom weltumspannenden Gemeinschaftsgefühl, von der ansteckenden Begeisterung für eine Sache.

Mein Enthusiasmus für Blog-Events hat sich mittlerweile gelegt. Es gibt einfach zu viel davon. Das ist wie bei etlichen Mainstreamradio-Einserhits: Anfangs kriegt man nicht genug, doch schon bald hält man sie nicht mehr aus. Zu oft gehört. Kaputtgespielt.

Umso größer meine Freude, als ich eine (für mich) besondere, äußerst charmante Initiative entdeckte: Sonntagssüß. Jeder Sonntag soll mit einem Süß gefeiert, gemeinschaftliche Momente, und seien sie auch noch so kurz, bewusst genossen werden. 

Das ist Mitmach-Web nach meinem Geschmack: Vom virtuellen Gedanken zum leibhaftigen Erlebnis, in diesem Fall: zum „echten“ Sonntagsgefühl mit Familie und Freunden.


Ostertorte

Meine etwas vereinfachte Version eines Rezepts aus dem Gusto Kochjournal: Baiser-Nuss-Böden, eingelegt in sämige Grieß-Obers-Creme, belegt mit fruchtigem Gelee, das der Torte ein wenig von ihrer Üppigkeit nimmt. Wichtig ist, die Torte gut gekühlt aufzubewahren, da sonst das Gelee etwas weicher wird und „davonläuft“.

Zutaten für 1 Torte

Boden:
5 Eiklar
150 g Kristallzucker
170 g Mandeln, gemahlen
10 g ungesüßtes Kakaopulver

Creme:
4 Blatt Gelatine
500 ml Milch
100 g Kristallzucker
1 Packung Vanillezucker
abgeriebene Schale von 1 unbehandelten Orange
75 g Weizengrieß (am besten der feine Babygrieß)
500 ml Schlagobers

Fruchtgelee:
250 ml Erdbeersaft
250 ml Mangosaft
10 g Agar-Agar

1. Backrohr auf 180 °C vorheizen. Einen Tortenring mit 24 cm Durchmesser auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen.

2. Eiklar mit Zucker steif aufschlagen. Mandeln und Kakao unter den Schnee heben.

3. Ein Drittel der Masse in den Tortenring füllen, glatt streichen und etwa 12 Minuten backen. Aus dem Rest der Masse auf die gleich Weise zwei weitere Böden backen. Auskühlen lassen.

4. Für die Creme Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Milch mit Zucker, Vanillezucker und Orangenschale aufkochen. Grieß einrieseln lassen und unter Rühren einkochen. Ausgedrückte Gelatineblätter in die Masse geben und darin auflösen. Vom Herd nehmen und zugedeckt auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. Schlagobers cremig aufschlagen und unter die Grießmasse heben.

5. Einen Tortenboden auf ein großes Kuchenteller legen, mit einem Tortenring umspannen und mit einem Drittel der Creme bestreichen. Darauf kommt wieder ein Tortenboden, ein Drittel der Creme, Tortenboden, Creme (2 – 3 EL der Creme für den Rand reservieren!). Tortenring entfernen, den Rand mit restlicher Creme einstreichen, Oberfläche glatt streichen und die Torte für etwa 4 Stunden kühl stellen.

6. Für das Erdbeergelee den Erdbeersaft mit 5 g Agar-Agar aufkochen. In der Zwischenzeit ein flaches Teller mit Frischhaltefolie überziehen. Sobald der Saft aufgekocht ist, kurz überkühlen lassen und dann auf das Teller gießen. Auf die gleiche Weise das Mangogelee herstellen. Beides im Kühlschrank fest werden lassen.

7. Aus den Gelees mit einem ovalen Ausstecher Eier ausstechen (ich habe dafür einen runden Ausstecher „geopfert“ und ihn in Eiform gebogen). Die Torte mit den Gelee-Eiern dekorieren. Aus den Resten der Gelees habe ich noch kleine Kreise ausgestochen und den Rand damit bestückt (Geleereste können übrigens wieder geschmolzen und nochmals auf dieselbe Weise verarbeitet werden).
Sonntag, 8. April 2012

Frohe Ostern!



Die Sophisten und die Pfaffen
stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst erschaffen,
wohl die Henne, wohl das Ei?
Wäre das so schwer zu lösen?
Erstlich ward ein Ei erdacht,
doch, weil noch kein Huhn gewesen,
Schatz, so hat’s der Has’ gebracht.

Eduard Mörike
Samstag, 7. April 2012

Eine neue Tradition

Eine Freundin hat mir vor kurzem von einer alten oberösterreichischen Tradition erzählt, den Fastenbeugln – einem ganz einfachen kreisrunden Gebäck, das in ihrer Familie am Karfreitag gebacken und zu Kartoffelgulasch verspeist wird.

Bei uns ist dieser Brauch nicht verankert, ich fand ihn aber interessant und habe mich gleich auf die Suche nach einem Rezept gemacht: Für die Fastenbeugln wird ein schneller Brotteig zu Ringen geformt, in köchelndes Salzwasser gelegt und dann im Ofen gebacken. Vor dem Essen gibt’s noch das „Beuglreiß’n“, bei dem es darum geht, das Brot symbolisch mit den anderen zu teilen und die gemeinsame Mahlzeit zu feiern.

Ich finde diese Tradition schön und möchte sie ab jetzt in meinen ganz persönlichen Brauchtumskalender aufnehmen. Ich habe die Beugln heute am Karsamstag gebacken, dem letzten Tag der Karwoche. Ich denke, das passt ganz gut, denn rundes Gebäck wie diese Beugln symbolisiert von jeher die Sonne und das Licht der Welt.


Fastenbeugln

Zutaten für 8 Stück

400 g Mehl
1 Packung Trockengerm oder ½ Würfel frische Germ
Salz
1 TL Brotgewürz
3 TL Öl
etwa 250 ml lauwarmes Wasser oder ein lauwarmes Wasser-Milch-Gemisch
eventuell grobes Salz zum Bestreuen

1. Mehl mit Germ, Salz, Brotgewürz, Öl und soviel lauwarmer Flüssigkeit vermischen, dass ein gut knetbarer, geschmeidiger Teig entsteht.

2. Zugedeckt an einem warmen Ort etwa 1 – 1,5 Stunden gehen lassen.

3. Backofen auf 190 °C vorheizen.

4. Den Teig in 8 Teile teilen, jeden Teil zu einer etwa 15 cm langen Rolle formen. Die Rollen zu Ringen (= Beugln) formen, indem man die Enden mit Wasser befeuchtet und gut zusammendrückt.

5. In einem großen Topf Wasser erhitzen und salzen.

6. Die Beugln nach und nach ins leicht köchelnde Wasser geben und mit einem Schaumlöffel herausnahmen, sobald sie an der Oberfläche schwimmen (das dauert nicht lange).

7. Dann auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen, eventuell mit grobem Salz bestreuen und etwa 20 – 30 Minuten backen.

Dazu serviert man einfache, fleischlose Suppen wie Erdäpfelgulasch, Gemüse- oder Kartoffelsuppe.


Freitag, 6. April 2012

Ach du grüne Neune!

Zu Gründonnerstag gibt es eine kulinarische Tradition, die ich besonders gerne mag: Die Neunkräutersuppe, auch Neunstärke genannt. Mit ihr können wir uns die aufkeimende Kraft der Natur einverleiben.

Gänseblümchen

Grün ist schon seit jeher die Farbe des Frühlings, des Neubeginns, der Fruchtbarkeit. Mit dem Zauber dieser Farbe ist auch die Zahlenmagie fest verwoben: Drei mal drei Kräuter kommen in die Suppe, um die wundersame Kraft der Dreizahl noch dreifach zu verstärken.

„Nun haben diese neun Kräuter Macht gegen neun böse Geister, gegen neun Gifte und gegen neun ansteckende Krankheiten.“

Giersch, die wilde Petersilie

Jedes Jahr, wenn ich mich daran mache, meine Frühlingskräuter zu sammeln, bin ich etwas unsicher, ob ich auch neun verschiedene finden werde. Alles wirkt noch so karg, es scheint so früh im Jahr. Doch ich kann mich beruhigt auf das wilde Grün verlassen.

Spitzwegerich

Ich bin immer wieder aufs Neue erstaunt, wie viele Schätze es schon zu heben gibt: Giersch steht da und zarte Brennnesseltriebe, Gänseblümchen, der erste Spitzwegerich, Bärlauch und Schafgarbe, Taubnessel, der leuchtend grüne Sauerklee, Sauerampfer und Löwenzahn, Hänsel-und-Gretel, Klettenlabkraut und Schlüsselblume, Scharbockskraut, Wiesenschaumkraut und Hirtentäschel, …

Gundelrebe

Es ist übrigens einerlei, welche neun Wildkräuter im Topf landen, das bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks. Es gibt auch keine einheitlichen überlieferten Rezepte. Die Ursache dafür ist, dass Ostern jedes Jahr auf ein anderes Datum fällt und deshalb der Austrieb witterungsabhängig unterschiedlich ist.

Löwenzahn


Die Neunstärke – ein einfaches Rezept

Von neun verschiedenen Wildkräutern je eine Handvoll säubern und grob zerkleinern. Eine kleine Zwiebel fein würfeln und gemeinsam mit einer gepressten Knoblauchzehe in etwas Butter andünsten.

Die Brennnessel, mein liebstes „Unkraut“

Eine kleine Kartoffel schälen, in Würfel schneiden und gemeinsam mit den Kräutern zu den Zwiebeln geben. Kurz mitdünsten, bis die Blätter zusammengefallen sind.

Wiesenlabkraut

Mit etwa 1 Liter Gemüsesuppe aufgießen und etwa 20 Minuten bei schwacher Hitze garen, bis die Kartoffelstücke weich sind. Pürieren.

Schafgarbe, die „Augenbraue der Venus“

Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen und mit einem Schuss Schlagobers verfeinern. Die Suppe in Teller füllen und mit einigen Gänseblümchen bestreut servieren.

Sauerampfer

Nachtrag: Die Fotos in diesem Beitrag entstanden alle am Mittwoch der diesjährigen Karwoche. Jawohl! Tatsächlich! (Die derben Zweifler werden sich in diesen Worten wiedererkennen) :-)
Donnerstag, 5. April 2012

Von der Liebe zu den Dingen

„Kochen ist wie lieben. Man macht es entweder mit Hingabe, oder man lässt es bleiben.“
Katja Mutschelknaus

Biscuits roses de Reims. Dieses süße Backwerk sieht genauso wunderbar aus wie sein Name klingt. Ich habe sie auf meiner letzten Frankreichreise entdeckt, mich in die Verpackung verliebt und eine davon mitgenommen.


Die Biscuits sind eine Spezialität aus der Stadt Reims, wo sie im Hause Fossier hergestellt werden, einer der ältesten Biscuiterien Frankreichs. Traditionell werden sie in Champagner oder edlen Rotwein getaucht, dann dürfen sie auf der Zunge zergehen. Pur schmecken sie angenehm süß und sehr neutral.

„Nach einem guten Essen soll man sich noch lieben können.“
Johanna Maier



Ich habe diese bildhübschen Biscuits (die Farbe! die dicke Zuckerschicht!) in ein sinnliches Dessert verwandelt:

Besonderes Himbeer-Tiramisu

Zutaten für 4 Personen

250 g Himbeeren (frisch oder tiefgekühlt)

250 g Topfen (20% F.i.T.)
200 g Mascarino
100 g Zucker
1 EL Vanillezucker
Saft von ½ Zitrone
ev. etwas Milch zum Verdünnen

1 Packung Biscuits roses de Reims (100 g) (oder hausgemacht?)
Milch und Himbeerlikör zum Tränken
Gefriergetrocknete Himbeeren zum Bestreuen (z. B. von Magic Fruits)

1. Tiefgekühlte Himbeeren auftauen lassen, vier schöne Exemplare zur Seite geben.

2. Topfen mit Mascarino, Zucker, Vanillezucker und Zitronensaft vermischen. Bei Bedarf die Creme mit etwas Milch verdünnen.

3. In einem tiefen Teller Milch mit einem Schuss Himbeerlikör vermischen.

4. Abwechselnd Creme, Biscuits (diese vorher in der Milch tränken) und Himbeeren in eine größere oder vier kleine Schüsseln schichten, mit Creme abschließen.

5. Gefriergetrocknete Himbeeren in ein Sackerl geben und mit dem Nudelholz fein zerkleinern. Dieses Himbeerpulver über das Tiramisu streuen

6. Jede Portion mit einer Himbeere krönen.

7. Dazu: Champagner, was sonst?
Mittwoch, 4. April 2012

Tierisch sportlich


Das ist Ally. Ally vor dem Eiffelturm. Warum sie dort steht? Weil sie vergangenen Oktober Österreich bei der Agility-Weltmeisterschaft in Frankreich vertreten durfte, gemeinsam mit ihrem Frauchen (meiner Schwester) Steffi. 


Und das ist Spike. Spike vor dem Keksi. Warum er so beleidigt ins Eck schaut? Weil er das Keksi (noch) nicht fressen darf, sondern erst posieren muss. Auch Spike trainiert Agility, gemeinsam mit seinem Frauchen (mir). Es macht ihm Spaß, aber nicht immer. Er ist schnell, aber nur, wenn er will. Böse Zungen behaupten daher, er wäre schon „mehr wos fia hinta d’Ofenbeng“ (der/diejenige darf sich ruhig angesprochen fühlen). Aber nein. Das ist reine Verhandlungssache.


Diese Kekse können gut als Trainingsleckerlis verwendet werden, da sie weich und elastisch sind:

Schnelle Hunde(kekse)

Zutaten für 1 – 2 Blech

1 Glas Babybrei Karotte püriert
1 Glas Babybrei Rindfleisch püriert
1 EL Öl
Haferflocken und Mehl

1. Backrohr auf 180 °C vorheizen.

2. Die Babybreie mit dem Öl vermischen und dann soviel Haferflocken und Mehl unterrühren, dass ein formbarer Teig entsteht, der nicht klebt.

3. Teig ausrollen und kleine Formen ausstechen oder, wenn es schneller gehen soll, fingerdicke Rollen formen und in kleine Stücke schneiden.

4. Etwa 30 – 40 Minuten backen.


Und jetzt zerbeiß’ ich’s!






Und wer sich jetzt anschauen möchte, wie Agility mit einem Hund aussieht, der auch ohne Leckerlis irre schnell läuft, bitteschön:


Dienstag, 3. April 2012

Hassliebe: Rauna

Ich überlege oft, warum ich Rauna nicht mag. (Für Nicht-Mühlviertler: Rote Rüben. Für Nicht-Österreicher: Rote Bete.)
Denke ich an Rauna, dann kommt mir unweigerlich der kalte Salat aus meiner Kindheit in den Sinn, die gehobelten, weichen, öligen Scheiben der zuvor gekochten Rüben, klassisch mariniert. Dieser Salat schmeckte nach vielem, erdig, süßlich, salzig, essigsauer, nur nicht nach: Mag-ich. Ich habe ihn ausgelassen, wo es ging.

Heute ist mein Verhältnis zu diesen groben roten Rüben mit dem wahnsinnig machenden Saft, der die Finger einfärbt und die Kleider, weit zwiespältiger als es damals war. Kocht meine Schwester für mich Rauna-Risotto, dann schmeckt es mir. So gut, dass ich mir fest vornehme, der Rübe eine Chance zu geben. Doch bald schon vergeht der Gedanke wieder und mit ihm die Lust auf Rauna. So, als hätte es das köstliche Risotto nie gegeben.

Dass ich Rauna nicht mag, könnte am „Mere Exposure Effect“ liegen, dem „Effekt der bloßen Darbietung“. Hinter diesem sperrigen Wortgebilde (wer hat sich das bloß einfallen lassen?) steckt nichts anderes als die Tatsache, dass wir am liebsten das essen, was wir kennen. Unbekanntes, Fremdes hingegen meiden wir. Dem liegt ein uraltes biologisches Sicherheitsprinzip zugrunde: Ich esse, was ich kenne. Denn wenn ich ein Lebensmittel einmal ohne negative Konsequenzen vertragen habe, muss es sicher (kann es nicht giftig) sein und ich kann es daher beruhigt ein weiteres Mal genießen.
Je öfter ein Mensch also mit einer Speise in Berührung kommt, desto lieber mag er es. Irgendwann. Es bilden sich Vorlieben aus, die an den Geschmack der jeweiligen Esskultur angepasst sind.

Der Mensch ist also auch beim Essen ein Gewohnheitstier. Aber Moment einmal, hieße das etwa, dass sich nicht nur der Hang zu Fettgebackenem, Fast Food und Zuckerwasser erlernen ließe, sondern auch eine gesunde Ernährung?! Wenn man sie nur konsequent genug kochen/essen/anbieten würde? Ich bin versucht zu antworten: Ja! Ja, genau! Aber so einfach ist es wohl nicht (oder doch?).

Zurück zu meiner Leidenschaftslosigkeit der roten Rübe gegenüber. Was ich eigentlich sagen wollte: Ich glaube, ich habe in meiner Kindheit zu selten Raunasalat gegessen. Das ist der Grund, warum ich ihn heute nicht mag.

Deshalb habe ich der Rübe (wieder) eine Chance gegeben. Und Kuchen gebacken. Einen Rauna-Kuchen. Das Rezept ist gelungen und schmeckt interessant: Die Roten Rüben machen den Kuchen sehr saftig, ihr erdiges Aroma passt wunderbar zum herben Geschmack der Schokolade.

Mag-ich.


Rauna-Schoko-Kuchen
(nach einem Rezept aus dem Australian Gourmet Traveller, Ausgabe Juni 2010)

Zutaten für 10 Personen

400 g dunkle Schokolade (60 % Kakaoanteil)
6 Eier, getrennt
150 g Staubzucker
200 g Rauna (1 große Rübe), sehr fein geraspelt
100 ml Schlagobers, leicht geschlagen
75 g gemahlene Mandeln

Butter für die Form
Kakaopulver zum Bestreuen
Schlagobers oder Eiscreme zum Servieren

1. Ofen auf 175 °C vorheizen.

2. Schokolade schmelzen.

3. Eidotter mit 100 g Zucker hell und schaumig schlagen (3 – 5 Minuten).

4. Die geschmolzene Schokolade und die Raunaraspel unterrühren.

5. Eiweiß mit dem restlichen Zucker steif aufschlagen.

6. Schlagobers, Eischnee und Mandeln unterheben.

7. Ein kleines Blech (ca. 20 x 20 cm) oder eine Tortenform ausfetten oder mit Backpapier auslegen. Teig darauf gießen, glatt streichen und im Ofen etwa 45 Minuten backen (Stäbchenprobe).

8. Mit Kakaopulver bestreuen und mit Schlagobers oder Eiscreme servieren.



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