Freitag, 6. April 2012

Ach du grüne Neune!

Zu Gründonnerstag gibt es eine kulinarische Tradition, die ich besonders gerne mag: Die Neunkräutersuppe, auch Neunstärke genannt. Mit ihr können wir uns die aufkeimende Kraft der Natur einverleiben.

Gänseblümchen

Grün ist schon seit jeher die Farbe des Frühlings, des Neubeginns, der Fruchtbarkeit. Mit dem Zauber dieser Farbe ist auch die Zahlenmagie fest verwoben: Drei mal drei Kräuter kommen in die Suppe, um die wundersame Kraft der Dreizahl noch dreifach zu verstärken.

„Nun haben diese neun Kräuter Macht gegen neun böse Geister, gegen neun Gifte und gegen neun ansteckende Krankheiten.“

Giersch, die wilde Petersilie

Jedes Jahr, wenn ich mich daran mache, meine Frühlingskräuter zu sammeln, bin ich etwas unsicher, ob ich auch neun verschiedene finden werde. Alles wirkt noch so karg, es scheint so früh im Jahr. Doch ich kann mich beruhigt auf das wilde Grün verlassen.

Spitzwegerich

Ich bin immer wieder aufs Neue erstaunt, wie viele Schätze es schon zu heben gibt: Giersch steht da und zarte Brennnesseltriebe, Gänseblümchen, der erste Spitzwegerich, Bärlauch und Schafgarbe, Taubnessel, der leuchtend grüne Sauerklee, Sauerampfer und Löwenzahn, Hänsel-und-Gretel, Klettenlabkraut und Schlüsselblume, Scharbockskraut, Wiesenschaumkraut und Hirtentäschel, …

Gundelrebe

Es ist übrigens einerlei, welche neun Wildkräuter im Topf landen, das bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks. Es gibt auch keine einheitlichen überlieferten Rezepte. Die Ursache dafür ist, dass Ostern jedes Jahr auf ein anderes Datum fällt und deshalb der Austrieb witterungsabhängig unterschiedlich ist.

Löwenzahn


Die Neunstärke – ein einfaches Rezept

Von neun verschiedenen Wildkräutern je eine Handvoll säubern und grob zerkleinern. Eine kleine Zwiebel fein würfeln und gemeinsam mit einer gepressten Knoblauchzehe in etwas Butter andünsten.

Die Brennnessel, mein liebstes „Unkraut“

Eine kleine Kartoffel schälen, in Würfel schneiden und gemeinsam mit den Kräutern zu den Zwiebeln geben. Kurz mitdünsten, bis die Blätter zusammengefallen sind.

Wiesenlabkraut

Mit etwa 1 Liter Gemüsesuppe aufgießen und etwa 20 Minuten bei schwacher Hitze garen, bis die Kartoffelstücke weich sind. Pürieren.

Schafgarbe, die „Augenbraue der Venus“

Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen und mit einem Schuss Schlagobers verfeinern. Die Suppe in Teller füllen und mit einigen Gänseblümchen bestreut servieren.

Sauerampfer

Nachtrag: Die Fotos in diesem Beitrag entstanden alle am Mittwoch der diesjährigen Karwoche. Jawohl! Tatsächlich! (Die derben Zweifler werden sich in diesen Worten wiedererkennen) :-)

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